Sie kamen in der Nacht, schlichen sich an, mit Ketchup für die Botschaft. Groß und rot. Damit jedem klar war, wer hier das Sagen hat. Und wer besser den Mund hält.

Einer goss sich den Ketchup auf die Hand, malte auf die Seitenwand des Pferdetransporters: "L-ü-g-n-e-r". Schmierte Ketchup auf die Türklinken, in die Schlösser. In den frischen Tau der Scheiben schrieben sie mit dem Finger "Schlampe", "Fotze". Und bevor sie gingen, rissen sie noch das Nummernschild ab.

Es war die Nacht vom 25. auf den 26. November 2017 beim Internationalen Jugendreitturnier in Lichtenvoorde in den Niederlanden. Später kam die Polizei, die Schneiders (*) aus Deutschland hatten sie geholt, ihnen gehörte der Pferde-Lkw. Die Polizei schien nicht sonderlich interessiert. Ein paar Schmierereien, irgendein Streit zwischen zwei deutschen Familien. Auf dem Platz erzählten sie sich hinterher, die Polizisten hätten am Trailer der anderen Familie geklopft. Familie Wolters (*). Doch wer das mit dem Ketchup war, wurde nie aufgeklärt. Und das Warum, das musste nicht groß aufgeklärt werden. Zumindest die deutschen Springreiter auf dem Platz konnten sich schon denken, warum.

Denn das sind die Regeln: Reite schnell, spring hoch, sprich nicht über den Dreck. Es lebe der Sport.

Die Familie Schneider hatte sich daran nicht gehalten. Zwei Töchter, bekannte Namen auf der Tour der besten Nachwuchs-Springreiter, jedes Jahr 30 Turnierwochenenden. Eine kleine, exklusive Szene, vielleicht 50 Jugendliche. Die Schnittmenge derer, die reiten können, und derer mit den Eltern oder Gönnern, die das alles bezahlen können: einen großen Lkw, mit Wohnabteil und Pferdebox, die Reisen, die Startgebühren, die Tierärzte, die Pfleger. Vor allem ein gutes Pferd, meist ab 100.000 Euro, und davon zwei oder drei, um überhaupt eine Chance zu haben auf einen Platz in den deutschen Nationalkadern.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 36/2018.
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