Peter Schreier ist ein Weltstar, und natürlich weiß man sofort, dass er in der wuchtigen weißen Villa residiert, deren Panoramafenster sich zum Loschwitzer Hang öffnen, an dessen Fuß die Elbe fließt. Aber das stimmt nicht. Die Villa gehört einem Arzt aus Chemnitz, Schreier wohnt nebenan in einem unscheinbaren DDR-Bau. In der Tür steht seine Frau Renate. Die beiden sind am selben Tag geboren, am 29. Juli 1935, sie sind seit über 60 Jahren verheiratet, aber Renate Schreier ist besser zu Fuß.

"Meinem Mann geht es nicht gut", sagt sie.

Schreier, der seit vielen Jahren an Diabetes leidet, muss zweimal die Woche zur Dialyse, er hat außerdem Probleme mit Hüfte und Rücken.

Vielleicht sollten wir das Gespräch besser verschieben, sage ich, bis es Ihrem Mann besser geht?

Vielleicht, sagt Renate Schreier. Aber wir hören schon den Treppenlift, mit dem Peter Schreier aus seinem Arbeitszimmer am Hang in den ersten Stock fährt, wo sich das Wohnzimmer befindet. Er hat den Termin ausgemacht. Er wird ihn halten.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 52/2018.
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