Achtung, Warnhinweis: Es folgt weiblicher TV-Humor. Die bayerische Komödiantin Monika Gruber erntet Brülllachen, wenn sie über "zu viele kastrierte Ochsen" juxt, die mit "Schürze am Herd" stehen und danach "die Kellertreppe feucht wischen". Nein, "Elternzeit ist nicht cool", sagt Frau Gruber und wünscht sich den alten Mann zurück, der "zur Höhle rausgeht und einen blutigen Fetzen Fleisch nach Hause bringt." Einfach mal den Humortest machen, die Perspektive wechseln und "Mann" gegen "Frau" samt passender Stereotypen tauschen. So viel Klischee würde nicht mal Fips Asmussen bringen.

Nennt mich "Pussi", "Weichei" oder "Spaßbremse", aber mir geht die flächendeckende Abwertung des Mannes gehörig gegen den Strich. Gleichstellung heißt doch nicht, das Kanonenrohr einfach umzudrehen. Frauen beharren zu Recht darauf, abwertende Sprache zu identifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Gilt aber auch umgekehrt.

Unsere Kinder lernen schon in der Kita, dass es rassistisch sei, wenn man Gruppen Merkmale zuordnet: Schweizer stinken nach Knoblauch, Amerikaner bauen tolle Armbanduhren, Türken sind dick und wählen Idioten. Wir achtsamen Menschen wissen, dass derlei Gruppenurteile fast zwangsläufig im Alltagsrassismus enden. Respekt ist ein universeller Wert, unabhängig von Herkunft, Rasse, Geschlecht, Alter.

Nur bei einer Gruppe sehen wir über die Grundregeln guten Miteinanders hinweg: bei Männern, bevorzugt weißen Männer. Seit Trump ist das kollektive "die Männer" gesellschaftsfähig als Chiffre für "das Böse". Diskriminierungsregeln gelten nicht. So gleitet eine komplexe Geschlechterdebatte in die billige Polarisierung. Zugleich fallen womöglich gerade bei den Einsamen und Frustrierten letzte Hemmungen, tatsächlich eine toxische Männlichkeit zu leben, schon aus Trotz gegen Abwerten und Verächtlichmachen.

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps reiste der Unternehmer und Blogger Sam Altman durch die USA, um Stimmen von Trump-Wählern zu sammeln. Eine ständig wiederholte Forderung dieser Männer lautete: "Hört auf, euch über uns lustig zu machen, hört auf, uns Idioten zu nenne, hört uns zu." Verhöhnte Männer driften auch nach rechts, weil sie kein anderes gesellschaftliches Zuhause finden. Ähnliches berichtet die SPD-Politikerin Petra Köpping aus Sachsen, die etwas Unerhörtes tat – sie ließ Männer reden. Köpping traf Arbeiter, Ingenieure, Führungskräfte, Verwaltungsfachleute. Viele empfanden das Leben nach dem Mauerfall nicht als Glück, sondern als Erniedrigung, als Abstieg, als Entmännlichung. Dieses Empfinden kann man mit großstädtischem Hochmut belächeln oder aber als sozialemotionalen Sprengstoff betrachten. Was würden Feministinnen sagen, wenn Frauen eine um fünf Jahre geringere Lebenserwartung hätten, aber eine mehr als dreimal so hohe Selbstmordrate wie Männer? Das Land würde beben und nach Auswegen suchen, und zwar zu Recht.

Es geht nicht um Kleinreden oder Aufrechnen, sondern um Aufmerksamkeit, sobald "der Mann" reflexhaft zum Täter erklärt wird. Der promovierte Islamwissenschaftler Alexander Will, Nachrichtenchef der Oldenburger Nordwestzeitung, schrieb nach der Bundestagswahl 2017: "Es gibt Tage, an denen möchte man [...] sich den Unflat von der Haut schrubben. Wir Ostdeutsche sind zum Buhmann des Juste Milieu [...] geworden. Auf uns – das ist Konsens – kann man einprügeln, ohne ernsthaft Widerspruch erwarten zu müssen."

Was war passiert? Ein offenbar mathematikunkundiger Reporter hatte ermittelt, dass das gute Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl vor allem ostdeutschen Männern zuzuschreiben sei. "Ost-Mann = versoffener Neonazi", das passte in die Reihe von Trottel, Grabscher, Gröhler, Psychopath. Der oft originelle Jan Böhmermann hatte stumpf eingestimmt und sprach von "spektakulär ignoranten Asozialen". Eine Anmaßung, wenn man bedenkt, wie viele dieser Ost-Männer in der ersten Hälfte ihres Lebens versuchten, Familie und Staatsmacht, Integrität, Angst und Würde zu vereinbaren.

"How Male Bashing is Killing Our Sons" heißt ein Beitrag im Blog der amerikanischen Mutter Melissa Edgington, die sich fragt, ob es lustig sei, Männer mit einem guten Wein zu vergleichen – damit er genießbar werde, müsse man erst einmal ordentlich zutreten und ihn zerstampfen. Nein, nicht komisch. "Wir fügen unseren Söhnen und Männern Schmerzen zu", erklärt die gläubige Melissa etwas melodramatisch, aber im Kern zutreffend.

Warum haben wir denn mühsam die Abwertungsorgien der vergangenen Jahrzehnte bekämpft, all die Polen-, Türken-, Ossi-, Blondinenwitze? Wenn wir aber Geschlechterscherze auf Kosten von Frauen oder Homosexuellen überholt finden – warum dann kollektives Gewieher über Plattheiten wie die der Unterhalterin Carolin Kebekus, die sich sich in Barth-hafter Künstlichkeit über fußballschauende Männer "mit behaarten Bierbäuchen" mopst, die "sich gegenseitig an der Kimme riechen". Brüller. Wie soll gesellschaftlicher Fortschritt funktionieren, wenn ausgerechnet Comedy-Frauen den konservativsten Part in der Geschlechterdebatte übernehmen?

Gegenseitiger Respekt ist alternativlos, auch bei kleineren Angelegenheiten, dem Penis zum Beispiel. In einem ihrer hellsichtigeren Texte hat die Feministin und Spon-Kolumnistin Margarete Stokowski angenehm unironisch das Ende der Pimmelwitze gefordert. Interessanter Ansatz. Während die Menstruation als Universalerklärung für weibliches Verhalten zu Recht geächtet ist, verzeichnet das männliche Geschlechtsorgan derzeit eine mediale Dauererektion.

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Die Atombomben-Fetischisten Donald Trump und Kim Jong Un dürften Väter aller Neo-Schwanzvergleiche sein. Die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling schlug einem Internet-Troll auf Twitter eine Penisvergrößerung vor. Der beliebteste Kommentar unter einem Beitrag über die weltweit erste Penis-Transplantation drehte sich um Porsche-Fahrer. Nur mal so gefragt: Wäre irgendwer auf die Idee gekommen, Konflikte beim Brexit mit einem Körbchenvergleich von Angela Merkel und Theresa May zu illustrieren?

Es ist völlig gleichgültig, wer anhand körperlicher Merkmale verspottet wird – stets werden alte Rollenbilder wiederholt. Die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, Feministin durch und durch, befand 2001, dass das sinnlose Abwerten des Männlichen so sehr Teil unserer Kultur geworden sei, dass es kaum noch auffiele. Stimmt. "Sechs globale Herausforderungen, eine Lösung: Frauen", so lautete das Motto des Weltwirtschaftsforums 2011. Putzig auch die Glas Cliff Theory, derzufolge Frauen ranmüssen, weil die Jungs mal wieder alles verbockt haben. Wer genau rettet uns demnächst: Sahra Wagenkecht? Alice Weidel?

Männer und Frauen sind in etwa so gegensätzlich wie ein gelbes und ein grünes T-Shirt. Es gibt nicht den einen großen Geschlechterunterschied, sondern viele Unterschiede zwischen Menschen, zwischen Einwanderern und Ureinwohnern, Städtern und Landbewohnern, Jüngeren mit Jahresverträgen und Alten mit Lebenszeitjobs. Werden Frauen immer und überall schlechter bezahlt? Nein, in den USA verdienen Frauen in Führungspositionen deutlich mehr als Männer. Frauen können keine Seilschaften? Von wegen. In Norwegen ist das Netzwerk der "Goldröcke" gefürchtet, das sich infolge einer konsequenten Quotenpolitik gebildet und in Unternehmen breitgemacht hat, wie es angeblich nur Männer vermögen. Nein, keine Spitze zu Asia Argento.

Die Probleme der Zukunft lösen nicht Männer oder Frauen, sondern gute Frauen und gute Männer gemeinsam gegen die anderen.

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