Ischinger, 72, hat 40 Jahre Erfahrung als Diplomat im Auswärtigen Amt, in Washington und London und spricht als Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz regelmäßig mit internationalen Politikern und Staatschefs. Nun hat er ein neues Buch geschrieben, das keine gute Laune macht: "Welt in Gefahr: Deutschland und Europa in unsicheren Zeiten" (Ullstein; 304 Seiten; 24 Euro). Ischinger beschreibt eine Welt, in der Deutschland nach einer Rolle sucht.

SPIEGEL: Herr Ischinger, gab es einen Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass die alte Weltordnung ins Rutschen gerät?

Ischinger: Absolut, das war ein Jahr bevor ich den Vorsitz der Münchner Sicherheitskonferenz übernahm, im Februar 2007. Da hat Wladimir Putin in München gesprochen, und er stellte in einem sehr aggressiven Ton den Führungsanspruch der USA infrage. Es war ein Aufbäumen. Ich saß im Publikum, hinter mir sagte ein Journalist laut: Das hier verändert gerade die Welt. Es war eine Zäsur, der Beginn von etwas Neuem.

SPIEGEL: War Ihnen das damals schon klar?

Ischinger: Wir haben das nicht ernst genug genommen. Ich nehme mich nicht aus. Wir haben versucht, den Krieg in Georgien 2008 zu ignorieren, wir haben bis in den März 2014 eine gewisse Realitätsverweigerung betrieben, bis zur Annexion der Krim, bis es nicht mehr anders ging.

SPIEGEL: "Welt in Gefahr" lautet der Titel Ihres Buchs. Wie schlimm ist die Lage?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 36/2018.
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