Von Jörg Diehl, Lukas Eberle, Roman Höfner, Martin Knobbe, Roman Lehberger, Marcel Rosenbach

An den Morgen, als der Hass auf ihn niederprasselte, kann sich Patrick Altendorfer gut erinnern. Es sei vor mehr als einem Jahr gewesen, sagt er. Der Schweizer Pastor, Gründer einer Freikirche, veröffentlichte im Internet regelmäßig Missionierungsvideos und hielt sich mit seiner Meinung nicht zurück. Von einem Tag auf den anderen aber sei er mit Schmähungen überzogen worden. Unbekannte hätten Fotos aus seinem privaten Facebook-Konto gezeigt, darunter Bilder seiner kleinen Tochter.

Bald darauf hätten ihn anonyme Anrufer beschimpft. "Es gab Morddrohungen", sagt Altendorfer, 44. Im September 2018 griff ihn vor seinem Wohnhaus ein Mann mit einem Messer an, der Pastor wurde schwer verletzt.

Altendorfer ist "gedoxt" worden. Er war Opfer jener Methode, mit der nun auch Prominente wie Til Schweiger, Jan Böhmermann sowie 993 aktive und ehemalige Politiker bloßgestellt wurden: Ihre Handynummern und Privatadressen standen im Netz, zum Teil intime Chats, Emails, Fotos, Passkopien und Bankkontodaten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat den mutmaßlichen Täter ermittelt: Johannes S., ein 20-jähriger Schüler, der sich im Netz "0rbit" und "G0d" nannte und aus seinem Jugendzimmer zugeschlagen hat. Die Ermittler vermochten in ersten Einschätzungen "kein dominantes politisches Motiv" hinter der Tat zu erkennen. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel daran.

Johannes S. bewegte sich, dafür sprechen viele Indizien, in einer rechten bis rechtsextremen Subkultur im Netz. Einflussreiche Youtuber prägen dort mit menschenverachtenden Propagandavideos das Weltbild junger Menschen. Eltern und Behörden bemerken davon selten etwas, die Hetzer bleiben auch weitgehend unbehelligt von den Social-Media-Giganten, auf deren Plattformen sie diese Videos veröffentlichen. Wurde Johannes S. in diesem Milieu zu seiner Tat angestachelt?

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