An einem der warmen Abende dieses Jahres saß ich in einem Bus des Hamburger Verkehrsverbunds und freute mich auf zu Hause. Ich trug kurze Hosen, spürte sofort, als auf meinem Knie ein Klumpen Rotz landete. Ich schaute auf und sah einem Mann ins Gesicht, der mir breitbeinig gegenübersaß. Er trug eine Bomberjacke, hielt eine Flasche Bier in der Hand und hatte ausrasierte Schläfen. Er blickte mich aus wütend zusammengekniffenen Augen an. Ich wollte etwas sagen, aber ich wusste nicht, was. Er spuckte ein zweites Mal auf mein Bein. Dazu fluchte er: "Verpiss dich, du scheiß Schwuchtel, tanz nicht so schwul vor meiner Nase rum, sonst knallt's."

Ich hatte in diesem Moment keine Mittel. Ich fand keine Worte und keine richtige Reaktion. Ich fühlte mich hilflos. Ich sah mich im Bus um. Die anderen Gäste mussten das mitbekommen haben. Ich hoffte, dass irgendjemand irgendetwas unternehmen würde. Ich war mir sicher, dass es einen Akt der Solidarität geben würde. Aber es kam nichts.

Der Mann pöbelte weiter,

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 37/2018.
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