Zohre Esmaeli, 33, kam im Alter von 13 Jahren als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland. Heute arbeitet sie als Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und ist seit 2017 das Gesicht der Kampagne "Deutschland – Land der Ideen" der Bundesregierung. Sie gründete die Organisation "Cultural Coachs", in der ehemalige Migranten Flüchtlingen helfen wollen, sich in Deutschland zurechtzufinden. 

Wenn wir die freie, tolerante Gesellschaft bleiben wollen, die wir heute sind, müssen wir die Herausforderung ernst nehmen, die durch den Zuzug von mehr als einer Million Asylbewerbern entstanden ist. Wir müssen handeln. Aber die Deutschen haben Angst, Gesetze an die neue Situation anzupassen. Das hat dazu geführt, dass die liberale Mitte untätig erstarrte und ein anderer Teil der Bürger sich radikalisierte, weil diese Menschen glauben, dass ihre Sorgen nicht gehört werden.

Ich kenne beide Welten: die des Flüchtlingskindes, das Schreckliches erlebt hat, ich war im Asylbewerberheim, wurde ausgestoßen, verlacht, in der Schule gehänselt. Ich kenne aber auch die Welt der Deutschen. Ich bin heute eine von ihnen, eine Geschäftsfrau, die sich etwas aufgebaut hat und die dieses Land liebt, das mir diese Chance gegeben hat.

Ich kam zu Fuß nach Deutschland, aus Afghanistan. Sechs Monate lang waren meine Familie und ich unterwegs. Das ist genau 20 Jahre her. Die Bundesrepublik Deutschland war eine völlig fremde Welt für mich. Der Staat kann Heime zur Verfügung stellen, Schulen, Behörden für die Menschen, die kommen. Aber Beamte und Sozialpädagogen gehen auch nach acht Arbeitsstunden in den Feierabend. Und woher sollten Politiker und Beamte wissen, welche Probleme unterschiedliche Gruppen der Flüchtlinge haben?

Lade...

Gutes lesen. Mehr verstehen.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Jeden Tag mehr Durchblick: Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe auf SPIEGEL ONLINE zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, von Reportern in aller Welt.
  • Dazu die digitale Ausgabe des wöchentlichen Magazins.
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar

Zusätzlich sichern Sie sich mit einer Bestellung Zugriff zu allen Inhalten der aktuellen Exklusivserie „Football Leaks“ über Hinterzimmergeschäfte und schmutzige Deals im Spitzenfußball.

Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 36/2018.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!