Husni Mubarak
Pragmatischer Friedensbereiter
Von Volkhard Windfuhr
Für seine Anhänger ist er der "eigentliche Sieger des Oktoberkriegs", den Führern der arabischen Nachbarländer galt er lange Zeit als Abtrünniger. Ägyptens Präsident Husni Mubarak setzt auf einen beständigen, wenn auch nicht gerade herzlichen Frieden im Nahen Osten.
Wütend warf Israels Kriegsheld Mosche Dajan seinem Chefberater die prall gefüllte Aktenmappe vor die Füße. "Warum habt ihr mich hinters Licht geführt?", schrie der General den bestürzten Diplomaten an. "Der Mann ist kein Leichtgewicht, wie ihr mir weismachen wollt, sondern ein sachkundiger, harter Bursche. Ich habe richtig geschwitzt.""Der Mann" war Muhammad Husni Mubarak, der 1979 im geschichtsträchtigen Washingtoner "Blair House", in dem gelegentlich Gäste der US-Regierung absteigen dürfen, als Vizepräsident die schwierigen Friedensverhandlungen mit Israel leitete. Mit Erfolg. Staatspräsident Anwar el-Sadat war stolz auf seinen Stellvertreter, ohne dessen diplomatisches Geschick der später in Camp David unterzeichnete ägyptisch-israelische Friedensvertrag wohl nicht zustande gekommen wäre. "Zielsicherheit auch im Blindflug" attestierte der ebenfalls wagemutige Ex-Präsident seinem handverlesenen Zweiten.Der 1928 in der Delta-Provinz Minufiya geborene Sohn eines wohlhabenden Landwirts, der sich in seinem Heimatdorf Kafr Umm Mucilha als Mäzen mehrerer Schulen einen Namen gemacht hatte, schloss sein Oberschulstudium in der Hauptstadt Kairo mit einem ungewöhnlich hohen Prozentsatz ab, um eine Offizierslaufbahn in der Armee anzutreten. Sein gutes Abschneiden als Kampfpilot und sein strategisches Verständnis verhalfen ihm zu einem Studium an der sowjetischen Stabsakademie in Frunse - eine ungewöhnliche Auszeichnung. Zurück in Kairo, widmete sich Phasendenker Mubarak zunächst der Modernisierung der Luftwaffe, deren Oberbefehl ihm wenig später anvertraut wurde, ehe ihn Staatspräsident Anwar el-Sadat 1975 zu seinem Stellvertreter ernannte.Doch im Gegensatz zu el-Sadat liebte Mubarak weder das Rampenlicht der Medien, noch illustre Empfänge und imagefördernde Kundgebungen. Das änderte sich auch nicht nach seiner Ausrufung zum Staatspräsidenten im Oktober 1981, eine Woche nach der Ermordung des Friedensnobelpreisträgers Sadat.Mubarak brachte die gewalttätigen islamistischen Extremisten weitgehend unter Kontrolle, ohne vom Friedenskurs seines Vorgängers abzuweichen. Innenpolitisch setzte der stabilitätsbedachte Präsident auf eine vorsichtige Öffnung des Parteienspektrums - ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen und von der Suche nach einem Konzept geprägt ist, religiösen und nationalistischen Fanatismus mit demokratischen Mitteln unter Kontrolle zu halten. Der Frieden mit Israel blieb auf Grund der sich immer wieder hochschaukelnden Palästinakrise bis heute ein unterkühlter Frieden.Es war Mubarak, der im Jom-Kippur-Krieg 1973 den militärischen Nachschub, den Fronteinsatz der Jagdgeschwader und damit den ägyptischen Truppen die bis dahin für utopisch gehaltene Überquerung des Suez-Kanals ermöglicht hatte. Doch "der eigentliche Sieger des Oktoberkriegs", wie seine Anhänger ihren eher wortkargen "Reis" (Präsident) nennen, ließ sich weder vom diplomatischen Boykott der meisten Araberstaaten, noch von der israelischen Libanon-Invasion 1982 dazu verleiten, den Frieden mit Israel aufzukündigen. Die Beziehungen zu den USA wurden noch enger, und die wirtschaftliche Gesundung der Wirtschaft machte Fortschritte. Die vorher ausufernden Kampagnen gegen kritische arabische Nachbarländer wurden eingestellt, was mit der Wiederaufnahme Ägyptens in die Arabische Liga und der Normalisierung mit den "Frontstaaten" Syrien und Irak belohnt wurde, die Ägyptens Friedensschluss mit Israel als nationalen Ausverkauf angeprangert hatten.Nachdem Jassir Arafats PLO, die Palästinensische Befreiungsfront, in Oslo 1993 einen Friedensprozess mit Israel in Gang gesetzt hatte, stellte sich Mubaraks Ägypten aus Überzeugung hinter die Forderungen der Palästinenserführung nach nationaler Unabhängigkeit und der Ausrufung des arabischen Ost-Jerusalem zur palästinensischen Hauptstadt und erwies sich auch in westlicher Sicht als unentbehrlicher Vermittler im gefährlichen Auf und Ab der israelisch-palästinensischen Verhandlungen.
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