Kiew - Die Beamten gingen mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vor, von denen einige Brandsätze und Steine auf die Polizisten warfen. Rund hundert Mitglieder der rechten Una-Unso-Partei wurden nach Parteiangaben festgenommen. An der bislang größten Demonstration seit Beginn der Proteste gegen Kutschma vor zwei Monaten nahmen bis zu 10.000 Menschen teil.
Die Opposition gibt Kutschma die Mitschuld am Tod eines Journalisten und hat bereits auf mehreren Großdemonstrationen seinen Rücktritt gefordert. Die Protestler skandierten "Faschisten! Faschisten!" und "Kutschma raus!", als ihr Zug den Präsidentenpalast erreichte. Rund hundert Demonstranten rannten immer wieder gegen die Absperrungen der Polizei an, viele von ihnen wurden von den Polizisten niedergeknüppelt.
Zahlreiche Verletzte
Zahlreiche Demonstranten erlitten Verletzungen an Kopf und Rücken. Mehrere Polizisten wurden von Brandsätzen getroffen. Eine Frau schwenkte während der Ausschreitungen ein blutverschmiertes Taschentuch vor den Polizisten und schluchzte: "Seht nur, seht nur, Ukrainer vergießen ukrainisches Blut!" Ein Mann, der sich nicht an den Prügeleien um ihn herum beteiligt hatte und die Polizei zur Besonnenheit aufrief, wurde zu Boden geschlagen. Demonstranten jubelten, als einem Polizisten eine Tränengas-Patrone in den Händen zerbarst. Eine Sprecherin der radikalen Partei Una-Unso sagte, Polizisten hätten etwa hundert Parteimitglieder unter dem Vorwurf festgenommen, sie hätten sich an den Krawallen beteiligt.
Bereits zuvor war es zu Zusammenstößen gekommen, als etwa 200 Demonstranten versucht hatten, Kutschma beim Niederlegen eines Kranzes an einem Nationaldenkmal zu stören.
Der Fall Gongadse
Gegner werfen Kutschma vor, in das Verschwinden und ein Mordkomplott gegen den Journalisten Georgij Gongadse verstrickt gewesen zu sein. Gongadses enthauptete Leiche war im November vergangenen Jahres außerhalb von Kiew gefunden worden. Ein führender Oppositionspolitiker hatte im Parlament Tonbänder abgespielt, auf denen eine Stimme ähnlich der Kutschmas zu hören ist, die den Befehl gibt, den Journalisten "loszuwerden". Kutschma zufolge waren die Tonbänder gefälscht. Kutschma war im November 1999 für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt worden.
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