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25.09.2001
 

Schwierige Ermittlung

Das FBI in der Technikfalle

Die US-Regierung hat den Terror-Attentätern von New York und Washington den Kampf angekündigt. Die Ermittler des FBI haben indes nicht nur Probleme bei der Suche nach den Hintermännern des Anschlags - sie plagen sich auch mit veralteter Technik herum.

Ermittler des FBI: Veraltete Technik, zu wenig arabische Übersetzer
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AP

Ermittler des FBI: Veraltete Technik, zu wenig arabische Übersetzer

Washington - Spur für Spur, Hinweis für Hinweis versuchen die amerikanischen Ermittler Licht in das Dunkel der Terroranschläge zu bringen. Fieberhaft arbeiten die Ermittler daran, das Netzwerk Osama Bin Ladens aufzudecken. Doch die Suche nach den Hintermännern und Drahtziehern gestaltet sich für die Beamten des Bundeskriminalamts (FBI) äußerst schwierig. Der Feind ist zu wenig greifbar - und die Ausstattung der Behörde viel zu alt.

So mancher FBI-Computer ist nach US-Medienberichten bis zu acht Jahre alt. Internetzugänge sind nicht mehr up to date, Speicherplatz für Grafiken oder Fotos Fehlanzeige - Terroristensuche in einem der reichsten Länder der Welt.

Schon im Vorfeld der jüngsten Terroranschläge hatten die Kriminalisten mehrere Männer im Visier, die Flugschulen unter anderem in Florida besuchten. Doch die Ermittler stocherten noch im Nebel, als die Attentäter ihren verheerenden Plan ausführten. Seit dem 11. September ist nun klar, was sie im Schilde führten. Die Terroristen waren schneller, das FBI kam zu spät.

"Bis dahin hatten wir das Ausmaß dieser Art Netzwerk einfach nicht begriffen", klagt Yonah Alexander vom Potomac Institut für Politische Studien in Washington. "Keiner kann wissen, ob sein Nachbar ein Terrorist ist."

Bereits bei dem ersten Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993 hatte das FBI Hinweise auf einige der Attentäter. Mit Schrecken stellten die Beamten nach der Tat fest, dass Teile des Plans auf arabischen Handzetteln standen, die beim FBI lagen. Arabische Dokumente konnten nicht ausgewertet werden und verstaubten in Schubladen. Viele Ermittler machen ihrem Unmut Luft: "Wir bekommen diese riesigen Mengen Material, und wir haben niemanden, der es übersetzen kann", klagt Michael Cherkasky, der damals gegen die Täter ermittelte.

Wo sind die Arabisch sprechenden Geheimdienstler ?

Im Untergrundkrieg gegen die vorwiegend aus arabischen Ländern stammenden Terroristen hilft, so Terrorismus-Spezialist Ehud Sprinzak, vor allem der Einsatz von Agenten. "Die Zusammenarbeit der verschiedenen Geheimdienste ist von größter Bedeutung. Und hier vor allem die Erfassung von Informationen durch Agenten. In diesem Bereich sind die Amerikaner ausgesprochen schlecht. Obwohl es in den USA viele islamische Extremistengruppen gibt, haben weder die CIA noch das FBI genügend Arabisch sprechende und aussehende Mitarbeiter, die diese Gruppen infiltrieren könnten," meint der Professor.

"Während des Kalten Krieges hatte die CIA noch ein Agentennetz, aber das wurde mehr und mehr abgebaut. Sie haben einfach keine Leute mehr, die das können, und es wird Jahre dauern, bis ein solches Netz aufgebaut und die Agenten die Terrorzellen infiltriert haben." Dies, so Sprinzak, "ist das Abc der Spionage".

Erste Ergebnisse

Nun, nach den jüngsten Attentaten, laufen die weltweiten Ermittlungen auf Hochtouren. Unterdessen haben die Justizbehörden in den USA einen ersten Verdächtigen wegen Unterstützung der Entführer vor Gericht gebracht. Der Mann wurde nach Justizangaben vom Montag beschuldigt, einem Terroristen im US-Staat Virginia bei der Beschaffung eines Ausweises geholfen zu haben. Der Direktor einer Bank in Florida erklärte, einer der mutmaßlichen Flugzeugentführer vom 11. September habe sich um einen Kredit für den Kauf eines Kleinflugzeugs für den Einsatz in der landwirtschaftlichen Schädlingsbekämpfung bemüht. Die Ermittler sind alarmiert: Es gibt Hinweise darauf, dass die Attentäter möglicherweise einen Chemie-Anschlag planten.

Die Behörden erklärten, der Verdächtige Herbert Villalobos habe Abd al-Asis al-Umari und Ahmed al-Ghamdi am 2. August zu einem Anwalt in Virginia begleitet. Er habe den beiden mutmaßlichen Entführern helfen wollen, sich Ausweise dieses US-Staates zu beschaffen. Auf Bildern habe er drei weitere mutmaßliche Flugzeugentführer erkannt, die er nach eigener Aussage im Büro der Kfz-Zulassungsstelle in Arlington getroffen habe. Villalobos wurde angeklagt, weil er für al-Umari ein Formular unterzeichnete, das ihn als Bürger des Staates Virginia auswies.

Das Netz entwirren

Ständig verhaften FBI-Beamte Verdächtige, lassen andere wieder frei. Insgesamt fahnden in mehr als 60 Ländern Ermittler nach Komplizen des mutmaßlichen Terror-Drahtziehers Osama Bin Laden. Allein in den USA geht das FBI Zehntausenden von Hinweisen nach. Oft geht es dabei um mögliche islamische Fanatiker, die nach außen hin ein bürgerliches Leben führten. Die Ermittler überprüfen mögliche Alibi-Adressen, Namensschilder an Briefkästen, befragen Nachbarn, Mitarbeiter von Fitnessstudios und Videoläden, von Autovermietungen und Hotels. Mehr als 200 Personen stehen auf ihrer Liste, zum Teil als wichtige Zeugen.

Wo auch immer sich neue Spuren auftun, öffnen sich unzählige neue Wege ins Netz Bin Ladens. Seine Terrororganisation al-Qaida (die Basis), die er Ende der achtziger Jahre gründete, hat nach Schätzungen westlicher Geheimdienste bis zu 5000 Mitglieder. Viele von ihnen sind Akademiker - Ärzte, Ingenieure, Sozialwissenschaftler, Stadtplaner. Sie operieren in kleinen Zellen, die nicht oder nur lose miteinander verbunden sind. Wird eine Zelle zerschlagen, arbeiten die anderen weiter.

Es gibt Hinweise darauf, dass das Terrornetz selbst für einzelne Mitglieder äußerst schwer zu durchschauen war. Thomas Gouttierre vom Zentrum für Afghanistan-Studien der Universität von Nebraska glaubt gar, Bin Laden habe die dezentrale Strategie vom chinesischen Revolutionsführer Mao Tse-tung abgeschaut. Ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Justizministeriums vermutet: "Die Entführer haben selbst gar nicht die wahren Namen ihrer Mitstreiter gewusst."

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