Hamburg - Bereits am 17. September, eine knappe Woche nach den Anschlägen in New York und Washington, flog US-Luftwaffenkommandeur General Charles F. Wald mit einem kleinen Stab von Mitarbeitern nach Saudi-Arabien. Sein Ziel: die Luftwaffenbasis Prinz-Sultan, rund 70 Kilometer südlich der Hauptstadt Riad. Die Amerikaner sind dort seit dem Golfkrieg präsent und haben erst vor kurzem die modernste militärische Kommandozentrale der Welt eingerichtet. 4000 Soldaten und 320 Flugzeuge, darunter F-16 Kampfflieger und Hercules Tankflugzeuge, sind hinter Stacheldrahtzäunen verbarrikadiert, aus der Luft kontrollieren Satelliten jede Bewegung in der Umgebung.
Von entscheidender Bedeutung sind jedoch die hochmodernen Kommandoeinrichtungen. Hunderte Militärmaschinen könnten von dort aus im Ernstfall starten und über Tausende Meilen hinweg geleitet und überwacht werden. Auf den Hightech-Computeranlagen würden Geheimdienstinformationen, Satellitenbilder und Wetterberichte zusammenlaufen.
Strategisch gesehen gehört die Basis zu den am günstigsten gelegenen, sollte es zu Einsätzen in Afghanistan kommen. Die Ankunft des hohen Luftwaffengenerals wurde in Militärkreisen bereits als Anzeichen gewertet, dass die Prinz-Sultan-Airbase die Kommandozentrale für Angriffe sein würde. Die Entsendung des hohen Generals geschah aber wohl etwas vorschnell, denn eine Zustimmung der Saudis zur Nutzung der Zentrale steht offenbar noch aus.
Aus der Hauptstadt Riad kommen derzeit unterschiedliche Signale: Zusagen werden von Dementis abgelöst. Noch am Freitag sollen saudische Regierungskreise den USA die volle Nutzung des Stützpunktes zugesagt haben, was US-Präsident George W. Bush "mit großer Dankbarkeit " aufgenommen hat. Am Sonntag widerrief der saudische Verteidigungsminister Prinz Sultan jedoch die angebliche Zusage. "Wir werden in unserem Land keinen einzigen Soldaten akzeptieren, der Muslime oder Araber tötet", sagte Sultan der staatlich kontrollierten Zeitung "Okaz".
Die Stationierung amerikanischer Truppen ist im Königreich seit langem eine höchst sensible Angelegenheit. Große Teile der Öffentlichkeit in der gesamten arabischen Welt sehen in der amerikanischen Militärpräsenz im Land der heiligen Stätten eine Demütigung. Auch Osama Bin Ladens Hass auf die USA soll maßgeblich durch die Anwesenheit der US-Soldaten geschürt worden sein.
Innenpolitisch sind die fremden Truppen zu einer Belastung für das Königshaus geworden. Kritiker behaupten, die USA würden durch ihre Anwesenheit ein korruptes Regime stützen, das sich eher auf den Partys in Genf als in der Moschee sehen lässt.
So ist das Königshaus darauf bedacht, nicht zu viel Nähe zu den Gästen zu zeigen. Als das FBI im Juni diesen Jahres 13 Saudiaraber und einen Libanesen für den Anschlag auf eine US-Militäreinrichtung im saudi-arabischen al Chuba im Jahr 1996 verantwortlich machte und die US-Justiz Anklage erhob, verwahrte sich Saudi-Arabien gegen jegliche Einmischung. Man wolle den Tätern selbst den Prozess machen.
Bereits nach dem Ende der Golfkrieges trafen die saudischen Machthaber die Entscheidung, dass die auf Prinz Sultan stationierten US-Truppen nur in Selbstverteidigung handeln dürfen. Seitdem wird dort offiziell nur die Flugverbotszone über dem Irak kontrolliert.
Ob den Amerikanern nun die Nutzung für operative Zwecke genehmigt wird, ist weiterhin unklar. Beobachter rechnen mit einem Kompromiss zwischen den USA und dem saudischen Königshaus. Die Amerikaner könnten den Stützpunkt demnach für strategische Zwecke nutzen, die Kampfeinsätze müssten aber von anderen Basen aus geflogen werden. Eine Zustimmung der Saudis müsste auch nicht öffentlich gemacht werden. Der saudische Botschafter in Washington, Bandar Bin Sultan, bestritt sogar, dass die USA um Erlaubnis zur Nutzung des Stützpunktes nachgesucht hätten. "Unsere Diskussionen mit unseren amerikanischen Freunden sind stetig und in totaler Übereinstimmung (...) Wir wurden aber nicht um die Nutzung des Stützpunkts in Saudi-Arabien gebeten", sagte er dem Fernsehsender ABC.
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