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01.10.2001
 

Neue Terror-Zelle

BKA ermittelt vor der Haustür

Von Matthias Gebauer

Vier Tage nach den Festnahmen des Türken Talip T. und der beiden Jemeniten Wadee al-A. und Schahab al-A. hat das Bundeskriminalamt eine eigene Sonderkommission "Wiesbaden" eingerichtet. Einiges spricht dafür, dass die drei Muslime Kontakt zu den mutmaßlichen Terroristen aus Hamburg hatten.

Auf dieser Internetseite wurde für den Heiligen Krieg geworben. Eine ähnliche Seite soll auch der jetzt festgenommene Talip T. betrieben haben
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qoqaz.de

Auf dieser Internetseite wurde für den Heiligen Krieg geworben. Eine ähnliche Seite soll auch der jetzt festgenommene Talip T. betrieben haben

Wiesbaden/Hamburg - Seit der vergangenen Woche ermittelte das BKA intensiv im Internet und dann plötzlich vor der eigenen Haustür. Am Donnerstagabend schlugen die Ermittler im Wiesbadener Vorort Nordenstadt zu und nahmen die drei Männer fest. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft, die das Verfahren noch am Wochenende an sich zog, stehen sie im Verdacht, eine terroristische Vereinigung gebildet und einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben.

Bestätigt sich der Verdacht, wäre bewiesen, dass es weitere Terror-Zelle in Deutschland gibt. Bisher sind die Anhaltspunkte zwar gering, doch in der augenblicklichen Situation gehen die Fahnder jeder Spur nach. In diesem Fall elektrisierte die Ermittler, dass die Festgenommenen detaillierte Stadtpläne und Karten deutscher Großstädte bei sich hatten, die offenbar für die Planung von Terror-Anschlägen dienen sollten.

Eine geladene Waffe, Bargeld und ein Flugticket gefunden

Der 27-jährige Türke Talip T. und die beiden Jemeniten Wadee al-A., 24, und Schahab al-A., 26, wurden in einer Dachgeschosswohnung festgenommen, die Talip T. als Angestellter eines kleines Softwareunternehmens angemietet hatte. Dabei entdeckten die Fahnder bei Schahab al-A. eine geladene Waffe mit 35 Schuss Munition, größere Mengen Bargeld, außerdem gefälschte Pässe, Kreditkarten und Führerscheine. Ebenso fanden die Beamten bei dem Jemeniten ein Flugticket nach Pakistan - datiert auf den 4. September 2001.

Gerade dieses Ticket sorgte für Aufregung. Wollte auch Schahab al-A. ein Flugzeug entführen und zum Absturz bringen? Wollte er nach einem Anschlag der Wiesbadener Zelle in Deutschland in den Nachbarstaat Afghanistans flüchten? Hatten die Wiesbadener Kontakt zu den mutmaßlichen Todes-Piloten aus Hamburg, die sich mit Jets auf das World Trade Center und das Pentagon stürzten?

Bisher bleiben diese Fragen beim BKA unbeantwortet. Auch warum der Jemenit das Ticket nicht nutzte, konnten die BKA-Beamten bisher nicht klären. Trotzdem sehen sich die Fahnder in einer Einschätzung und Sorge mehr als bestätigt: Die drei Terror-Piloten und ihre Helfer, die in Hamburg studierten und dann in den USA zuschlugen, waren keine Einzelfälle. Offenbar sitzen auch in Deutschland noch mehrere so genannte Zellen von gewaltbereiten Terroristen.

Einer der Männer betrieb eine "Gotteskrieger"-Seite

Auf die Spur der jetzt ausgehobenen Wiesbadener Zelle waren die Fahnder nach Presseberichten über Internetseiten der so genannten Gotteskrieger gestoßen. Der jetzt festgenommene Türke Talip P. betrieb nach Angaben der Bundesanwaltschaft eine solche Seite unter der Adresse thevid.de., auf der unter anderem für den muslimischen Einsatz im Kaukasus mobilisiert wurde. Themenbereiche seien auch die "Spendenübermittlung an die Taliban" in Afghanistan und die "militärische Ausbildung für den Kampf" gewesen. Beruflich betrieb der Türke ein kleines Softwareunternehmen, das unter anderem für die medizinische Fachzeitschrift "Medical Tribune" tätig gewesen sein soll. Mittlerweile ist seine Gotteskrieger-Seite nicht mehr abrufbar.

Auf den Homepages des Türken fanden die Ermittler jedoch eine ihnen schon bekannte Internetseite: Schon vorvergangene Woche hatte SPIEGEL ONLINE über die Site unter der Webadresse qoqaz.net berichtet. Auf dieser Seite wurde zum Heiligen Krieg aufgerufen, unter anderem konnten die Leser konkrete Anleitungen zum Gebrauch von Maschinenpistolen und Kontaktadressen anderer Radikal-Islamisten finden. Die Seite war gut besucht, und der Betreiber hielt seine Fans über einen Newsletter per E-Mail auf dem Laufenden.

Link zu Hamburger Terror-Zelle?

Said Bahaji gilt als Logistiker der Hamburger Zelle und wird weltweit gesucht
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DPA

Said Bahaji gilt als Logistiker der Hamburger Zelle und wird weltweit gesucht

Und genau dort fanden die Ermittler einen der Verdächtigen von der Hamburger Terror-Zelle: Den Logistiker der Truppe, Sahid Bahaji, der mittlerweile offenbar nach Pakistan geflohen ist. Er hatte unter anderem die Hamburger Wohnung des mutmaßlichen Terror-Piloten Mohammed Atta angemietet und soll den drei mutmaßlichen Entführern auch Pässe und Visa beschafft haben. Regelmäßig bezog auch Bahaji die Informationen von der Gotteskrieger-Seite. Beim BKA wollte man zu der Verbindung zwischen Wiesbaden und Hamburg nichts sagen. "Wir prüfen das, haben aber bisher keine konkreten Anhaltspunkte", so der BKA-Sprecher Dirk Unger. Ausschließen könne man derzeit gar nichts.

Deshalb werden die Ermittler nach den jetzigen Erkenntnissen die Mailing-Liste von quqaz.net noch mal genau unter die Lupe nehmen.

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