Wien - IAEO-Direktor Mohammed al-Baradei sagte am Donnerstag, nach den Anschlägen in New York und Washington sei es nun "weit wahrscheinlicher" als bisher angenommen, dass es auch zu solchen Terrorakten kommen könne. Die Gefahr bestehe mittlerweile nicht mehr nur darin, dass Regierungen Atommaterial für geheime Nuklearprogramme benutzen könnten. Nun komme auch die Gefahr hinzu, dass sich Extremisten radioaktives Material beschaffen, um damit Panik in der Bevölkerung zu schüren oder Gebiete gezielt zu verseuchen. Auch Atomkraftwerke seien potenzielle Ziele für Terrorakte.
Al-Baradei rief alle Staaten auf, die Risiken der zivilen Nutzung der Atomkraft mit Blick auf mögliche Terrorakte zu überprüfen. In der IAEO-Zentrale in Wien beraten in dieser Woche Experten über Sicherheitsfragen. Am Freitag soll auf dem Forum speziell über die Gefahren gesprochen werden, die von Nuklearterrorismus ausgehen.
Radioaktive Verseuchung durch "schmutzigen Bomben"
Britischen Medienberichten zufolge ist der Terroristenführer Osama Bin Laden, den die USA für die Anschläge in New York und Washington verantwortlich machen, im Besitz von nuklearem Material. Nach Informationen der Londoner "Times" hat Bin Laden das Material auf illegalem Wege aus Pakistan erhalten, das über Atomwaffen verfügt. Der Extremist sei jedoch technisch nicht in der Lage, Atomwaffen zu bauen. Experten sagen aber, konventionelle Sprengsätze könnte mit Nuklearmaterial bestückt und als "schmutzige Bomben" verwendet werden, die ein Gebiet im Umkreis von einigen hundert Metern radioaktiv verseuchen würden.
Auch die US-Regierung befürchtet nach Angaben eines Sprechers, dass Anschläge mit Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen auf amerikanischem Boden verübt werden könnten. Die US-Nationalgarde wurde vorsorglich zum Schutz mehrerer Atomkraftwerke eingesetzt.
Frankreich hatte bereits unmittelbar nach den Anschlägen in den USA seine Sicherheitsmaßnahmen für Atomkraftwerke, Industrieanlagen und Staudämme verstärkt. Nach Regierungsangaben ist die Luftwaffe darauf vorbereitet, entführte Flugzeuge notfalls abzuschießen.
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