Kabul - Bis zur Bombardierung durch die USA versorgte das Kraftwerk eine Region mit 500.000 Menschen mit Elektrizität. Mit dem produzierten Strom wurden allerdings auch die Schleusen des Staudamms betrieben, die den Pegelstand des Helmand-Flusses regulieren.
Wenn die seit langem erwarteten Regenfälle einsetzen und die Schleusen nicht geöffnet werden können, könne dies zum Überlaufen des Stausees und - in der Folge - zum Bruch des Dammes führen. Die Konsequenz wäre nach Einschätzung von Uno-Mitarbeitern vor Ort eine "Katastrophe von riesigen Ausmaßen", berichtet die britische Zeitung "Independent".
Kollabiere der Damm, werde das gesamte Helmand-Tal unterhalb des Staussees überflutet und das Leben von mehreren zehntausend Menschen gefährdet, heißt es in einem internen Bericht des Uno-Regionalbeauftragten für Süd-Afghanistan.
Stromabwärts seien die Menschen von der Bewässerung des Wüstenbodens abhängig. Wenn durch die nicht mehr funktionsfähigen Schleusen die gleichmäßige Wasserzufuhr unterbrochen werde, drohe Nahrungsknappheit und eine Hungernot. Zu wenig Wasser würde die Anpflanzung des Winter-Weizens unmöglich machen. Zu viel Wasser würde den Stausee entleeren und den Weizen im Frühjahr vertrocknen lassen.
In den ersten Berichten nach dem Angriff hieß es, der Damm selbst sei nicht beschädigt. Die Uno hat nun eine Gruppe von afghanischen Mitarbeitern zur Staumauer entsandt, um den Schaden zu begutachten. Der vor 48 Jahren gebaute Damm ist rund 100 Meter hoch und 300 Meter lang. Er staut rund 1,85 Millionen Kubikmeter Wasser des Helmand-Flusses und wurde von amerikanischen Ingenieuren gebaut.
Auch Kandahar, die Hochburg der Taliban, hat durch die Zerstörung des Kraftwerkes ihre Stromquelle verloren. Zumindest ein Krankenhaus der Stadt arbeitet nun mit vom Roten Kreuz bereitgestellten Generatoren.
Diplomatische Quellen in Pakistan berichteten, dass ein Kontingent von arabischen al-Qaida-Kämpfern in der Nähe des Damms stationiert gewesen sei. Es sei aber unklar, ob sie zum Zeitpunkt des Angriffes anwesend waren. Ebenso könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Kraftwerk absichtlich angegriffen oder versehentlich getroffen wurde, schreibt der "Independent".
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