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11.11.2001
 

Interview

Somalia als neue Heimat für Bin Laden?

Mohamed Alim, 62, Mitglied der Übergangsregierung für Auswärtiges, zum Risiko, das somalische Muslime Osama Bin Laden eine neue Heimat geben könnten.

SPIEGEL:

Die USA fürchten, Ihr zerrissenes Land könnte Chefterrorist Osama Bin Laden und seinen islamistischen Kämpfern Zuflucht gewähren. Sie auch?

Alim: Wir haben zehn Jahre der Zerstörung hinter uns und versuchen gerade mühsam, unser Land wieder aufzubauen. Wir würden politischen Selbstmord begehen, wenn wir einem weltweit gesuchten Terroristen Unterschlupf gewährten. Kein Somalier, der sein Land liebt, wird Bin Laden willkommen heißen.

SPIEGEL: Nach CIA-Informationen werden Mitglieder des Terrornetzes al-Qaida längst über die an der Grenze zu Kenia gelegene Küstenstadt Ras Kamboni ins Land geschmuggelt.

Alim: Es wäre nicht das erste Mal, dass die CIA sich getäuscht hätte. In der angeblichen Giftgasfabrik im Sudan, welche die Clinton-Regierung 1998 bombardieren ließ, wurden auch nur Medikamente hergestellt.

SPIEGEL: Ihre Regierung hat nicht einmal ganz Mogadischu unter Kontrolle. Wie kann sie da sicherstellen, dass Bin Laden Somalia nicht doch als Operationsbasis zu nutzen sucht?

Alim: Wir haben eine Spezialeinheit zur Bekämpfung des Terrorismus eingerichtet. Die hat Kontakte in allen Landesteilen und leitet ihre Erkenntnisse an die Uno weiter. Wir haben zudem eine engagierte Lokalpresse und vertrauen auf das Sprichwort: "In Somalia bleibt nichts geheim."

SPIEGEL: Selbst Kenia, das derzeit zwischen den Konfliktparteien Ihres Landes zu vermitteln versucht, bezweifelt, dass Ihre Regierung eine so verzweigte Terrororganisation in den Griff bekommen kann.

Alim: Gerade deswegen brauchen wir dringend logistische und finanzielle Hilfe, zum Beispiel zum Aufbau eines staatlichen Geheimdienstes. Nur so können wir verhindern, dass Somalia zur Brutstätte des Terrorismus wird.

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