Sie galoppieren auf Pferden durch die Berge, sprengen Brücken und jagen Taliban-Anführer: Amerikanische Eliteeinheiten greifen zunehmend in den Kampf um die Herrschaft in dem zerklüfteten Land ein und nutzen dabei zuweilen archaisch anmutende Methoden aus Partisanen-Kriegen. Nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium sind mittlerweile rund 300 Elite-Soldaten in Afghanistan unterwegs. Von ihnen würden 200 im Norden des Landes kämpfen, rund 100 im Süden, wo die Lage besonders unübersichtlich sei.
Dort sollen sie den Druck auf die noch ausharrenden Taliban-Truppen erhöhen, Straßen zerstören und fliehenden Terroristen den Weg abschneiden. Sie haben Verbindungen zu Taliban-feindlichen Paschtunen-Führern aufgenommen. Unterstützt werden die Amerikaner durch Elitetruppen aus anderen Ländern, vermutlich vor allem aus Großbritannien. In den nächsten Tagen sollen auch französische Jagd-Bomber in den Kampf eingreifen und die Verstecke der Terroristen unter Beschuss nehmen.
"Sie töten Taliban, die nicht aufgeben wollen und al-Qaida-Terroristen, die von einem Ort zum nächsten ziehen", sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gestern bei einem Gespräch mit Journalisten. Obwohl es immer wieder zu einzelnen Scharmützeln komme, sei bisher keiner aus der Truppe verletzt oder getötet worden.
Zuvor hatten bereits US-Einheiten die Truppen der Nordallianz in ihren Kämpfen begleitet, amerikanische Bombenangriffe koordiniert und taktische Ratschläge gegeben. Dabei sei eine Einheit fast Opfer eines Taliban-Angriffes im Norden von Masar-i-Scharif geworden, berichtete Rumsfeld. Im letzten Moment hätten amerikanische Bomber, eilig herbeigerufen, die Einheit frei gebombt.
Über den Aufenthaltsort des meistgesuchten Terroristen der Welt, Osama Bin Laden, gibt es bisher nur Vermutungen. Der Taliban-Vertreter in Pakistan, Abdul Salam Saif, erklärte, der Terrorist habe Afghanistan verlassen. Die Taliban-Miliz wisse nicht, wo sich Bin Laden aufhalte. Nach Angaben der Nordallianz verberge sich der Terror-Führer mit seinen besten Kämpfern in Kundus, der einzigen Stadt im Norden des Landes, die noch von den Taliban gehalten wird. Das iranische Fernsehen will dagegen wissen, bin Laden und Mitglieder seines Terrornetzwerks al-Qaida bewegten sich in Südostafghanistan in den Filkuh-Bergen auf die pakistanische Grenze zu.
Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums hat am Samstag Berichten widersprochen, wonach der Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar oder Terroristenchef Osama bin Laden möglicherweise in Pakistan Zuflucht genommen hätten. Wie Asis Khan in Islamabad vor Journalisten erklärte, schließt die pakistanische Regierung auch Asyl für die beiden aus. "Sie sind nicht hier, und wir werden ihnen auch kein Asyl geben, wenn sie es beantragen sollten", sagte Khan. "Deshalb haben wir uns ja der westlichen Koalition gegen den Terrorismus angeschlossen".
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