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17.11.2001
 

Machtkampf in Kabul

Rabbani erklärt sich zum Staatsoberhaupt

Der Machtkampf in Afghanistan spitzt sich zu. Der umstrittene Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani kehrte nach Kabul zurück und erklärte sich zum Staatsoberhaupt. Die UN wollen umgehend eine Afghanistan-Konferenz einberufen.

Herrschaftsanspruch angemeldet: Burhanuddin Rabbani
REUTERS

Herrschaftsanspruch angemeldet: Burhanuddin Rabbani

Kabul - Rabbanis Außenminister Abdullah erklärte, die Nordallianz halte weiter an der Bildung an einer Regierung unter Beteiligung aller Volksgruppen des Landes fest, einschließlich der Paschtunen. Die Rückkehr Rabbanis nährt jedoch Befürchtungen, dass es zwischen den Bevölkerungsgruppen zu gewaltsamen Machtkämpfen kommen könnte. Beobachter glauben, dass Rabbanis Anhänger mit dem Schritt vom Samstag aus einer Position der Stärke in die anstehenden Verhandlungen eintreten wollen. Rabbani sagte in einer Pressekonferenz, die Kontrolle über die Ministerien werde wieder denen übertragen, die sie vor der Vertreibung durch die Taliban 1996 hatten. Abdullah erklärte, die Nordallianz sei bereit, mit den Vereinten Nationen über die Entsendung internationaler Friedenstruppen zu sprechen. Dabei müsse aber die Lage auf dem Boden berücksichtigt werden. Beobachter sehen dies als klares Zeichen dafür, dass die Nordallianz keine Regelung akzeptieren wird, die ohne ihr Mitwirken zustandegekommen ist.

USA und Russland wollen Verhandlungen in Kabul

Unterdessen drängen die USA, Russland und die Vereinten Nationen auf eine baldige Klärung der machtfrage. Sie wollen in Kabul umgehend über eine künftige Regierung für Afghanistan verhandeln. Darauf hätten sich Präsident Wladimir Putin und US-Präsident George W. Bush in den USA geeinigt, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Samstag in Moskau.

Ein Vorauskommando russischer Regierungsvertreter war am Freitagabend nach Tadschikistan geflogen, um von dort nach Kabul zu gelangen und Kontakt zur Führung des zurückgekehrten afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani aufzunehmen. Eine neue Regierung für Afghanistan müsse alle ethnischen Gruppen umfassen, vor allem die Paschtunen, sagte Iwanow.

Schon nächste Woche Afghanistan-Konferenz der UN

Am Samstag sollte der UN-Gesandte Francesc Vendrell in Kabul eintreffen, um die Nordallianz zu einem Treffen mit den anderen Bevölkerungsgruppen auf neutralem Boden zu bewegen. Wie der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, in New York mitteilte, wollen die UN ihre geplante Afghanistan-Konferenz möglichst in der nächsten Woche einberufen. Brahimi hatte am Freitag eine aus 21 Staaten gebildete Afghanistan-Gruppe zu Beratungen über die unverzügliche Einsetzung einer Übergangsverwaltung in Kabul einberufen. Der Gruppe gehören außer den USA, Russland, China und den Anrainerstaaten auch Deutschland an. UN-Diplomaten und Militärs arbeiten verstärkt an einer Strategie für den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe in Afghanistan.

Es ist das erste Mal seit seiner Vertreibung durch die Taliban, dass Rabbani wieder die afghanische Hauptstadt betreten hat. Die Nordallianz hatte Kabul vor vier Tagen eingenommen, nachdem die Taliban die Stadt verlassen hatten.

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