Washington - Abtrünnige Taliban-Vertreter sollen der Uno das Versteck Bin Ladens schon in der vergangenen Woche verraten haben. Er halte sich in einer Höhle im Süden des Landes auf. Die Vereinten Nationen hätten dies dann dem US-Geheimdienst CIA mitgeteilt, berichtet das ARD-Magazin "Brisant", das sich auf zuverlässige Quellen in Pakistan und Deutschland beruft.
Warum Bin Laden allerdings noch nicht festgenommen wurde, ist unklar. Bin Laden soll sein Versteck, eine unterirdische Anlage, in den 80er Jahren zu einem großen Teil mitfinanziert haben. Aber auch andere Medien berichten mit wilden Spekulationen über die Suche nach Bin Laden:
Wie die britische Zeitung "Daily Telegraph" schreibt, fuhr Bin Laden aus der Stadt Dschalalabad mit einem Konvoi von hundert Lastwagen und gepanzerten Fahrzeugen zum al-Qaida-Stützpunkt in Tora Bora in den nahe gelegenen Weißen Bergen.
Augenzeugen haben die Flucht beobachtet: "Ich sah Osama im sechsten oder siebten Lastwagen. Hinter ihm waren 100 bis 200 andere Wagen. Am Ende des Konvois fuhren fünf bewaffnete Fahrzeuge", berichtet der 27-jährige Babrak Khan, dessen Freund Lala Agha die Angaben bestätigt. "Er stieg aus seinem Fahrzeug aus und gab seinen Kämpfern 40 Minuten lang Befehle, 60 bewaffnete Söldner bewachten ihn."
Die Schilderungen der Zeugen, schreibt die Zeitung, seien die detailliertesten über den Aufenthalt Bin Ladens seit dem Fall Kabuls in der vergangenen Woche. Babrak habe keine Zweifel gehabt, dass es sich um den al-Qaida-Führer gehandelt habe.
Hightech am Hindukusch
Bei der Suche nach Bin Laden setzen die Amerikaner immer mehr Hightech-Geräte ein - das Modernste, was die Militärtechnologie zu bieten hat. Elitesoldaten durchkämmen die unwirtlichen Gegenden mit Nachtsichtgeräten, die bei Mondlicht 300 Meter weit blicken lassen, mit Wärmekameras, die jeden Atemzug registrieren und Sensoren, die selbst unter meterhohem Fels noch Vibrationen entdecken. Scanner können schwächste Magnetfelder von Waffen aufzeichnen, die 30 Meter tief in Tunnelanlagen versteckt sind. Auch eine Glühbirne in einem unterirdischen Versteck oder die Atemluft, die aus einem Tunneleingang dringt, kann den Mitgliedern der Terrororganisation al-Qaida zum Verhängnis werden. Dabei richten die US-Aufklärungsflugzeuge und Sondereinheiten ihr Augenmerk vor allem auf Höhlen und andere mögliche Verstecke.
Verführerische 25 Millionen Dollar
In einer solchen Situation kommen die Berichte von Augenzeugen, die Bin Laden gesehen haben wollen - wie Babrak und sein Freund Agha - wie gerufen. "Wir brauchen nur einen Einzigen, der mit dem Finger in die richtige Richtung zeigt", sagt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.
Washington baut darauf, dass die ausgelobten 25 Millionen Dollar Kopfgeld für Bin Laden für viele so verführerisch sein werden, dass sie den Terroristenführer verraten, sobald sie ihn entdecken.
"Keine Echtzeithinweise"
"Es gibt immer mehr Leute dort, die sich diese Belohnung einstecken wollen", frohlockt Rumsfeld-Stellvertreter Paul Wolfowitz. Derzeit konzentriert sich die Suche auf die Region um Dschalalabad. Hunderte von Hinweisen sollen bereits eingegangen sein. "Wenn wir ihn kriegen wollen, müssen wir aber wissen, wo er in diesem Moment ist, nicht, wo er gestern war oder letzte Woche. Und das fehlt uns noch, Echtzeit-Information", sagte ein ehemaliger Antiterror-Spezialist des Außenministeriums, Paul Bremer, der Zeitung "USA Today".
Der Raum, in dem sich Bin Laden in Afghanistan frei bewegen kann, wird durch den Vormarsch der Nordallianz immer enger. Viele der mehr als 10.000 US-Bomben, die seit Anfang Oktober auf Afghanistan niedergingen, haben Bunker und Verstecke des al-Qaida-Netzwerks zerstört.
Dennoch bezweifeln Afghanistan-Kenner nach wie vor die Erfolgsaussichten der Jagd auf Bin Laden. Der frühere afghanische Rebellenkommandeur Ghulam Mohammed, der jahrelang im Grenzgebiet zu Pakistan lebte, meint, die fliehenden al-Qaida-Kämpfer könnten auf Tausenden Pfaden die Grenze nach Pakistan überqueren und ins Ausland abtauchen. Die zerklüftete Bergregion bot den Rebellen schon während der sowjetischen Invasion Schutz vor den Eliteeinheiten der Roten Armee, so der Kriegsveteran.
Der Zugang zu den Bergverstecken ist laut Mohammed für Uneingeweihte äußerst tückisch. Unendlich viele Pfade winden sich entlang der Bergkette, sich nähernde Feinde können mühelos schon aus weiter Ferne erspäht werden.
Live-Bilder von Bin Laden
So ganz unrealistisch ist das erklärte Ziel der US-Streitkräfte jedoch nicht. Im vergangenen Jahr haben amerikanische Spionageflugzeuge Bin Laden in al-Qaida-Lagern in Afghanistan entdeckt und Live-Bilder in die USA übertragen. Weil die unbemannten Flugzeuge vom Typ Predator nicht mit Waffen ausgestattet und keine US-Bomber in der Nähe waren, sei ein Angriff jedoch unmöglich gewesen, berichtet das "Wall Street Journal".
Bin Laden, den die Amerikaner hinter den Terroranschlägen vom 11. September vermuten, ist seit den Bombenanschlägen auf zwei US-Botschaften 1998 in Afrika mit über 200 Todesopfer im Visier des amerikanischen Geheimdienstes (CIA).
Die Drohnen seien im Frühjahr 2000 erstmals eingesetzt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die US-Regierung wollte nach den verhinderten Anschlägen in den USA zum Jahreswechsel 1999/2000 mehr über die Aktivitäten in den Terrorlagern von al-Qaida in Erfahrung bringen.
Die Einsätze seien jedoch von Auseinandersetzungen über die Bewaffnung der Drohnen, die Finanzierung der Missionen und die Kommandostruktur für etwaige Angriffe überschattet gewesen. Sie wurden nach zwei Monaten gestoppt.
In den CIA-Büros in Langley im US-Bundesstaat Virginia sei auf den Videobildern mehrmals ein großer Mann mit Turban gesehen worden, der sich mit einer Entourage von zahlreichen Sicherheitsleuten bewegte. Die CIA-Experten seien überzeugt, dass es sich um Bin Laden handelte, berichtete das "Wall Street Journal". Die knapp zehn Meter langen Drohnen vom Typ Predator, die mit hoch auflösenden Kameras Bilder aus 8000 Metern Höhe machen, wurden nach den Terroranschlägen erneut über Afghanistan eingesetzt. Sie sind inzwischen mit Hellfire-Raketen ausgestattet.
Dass US-Soldaten Bin Laden lebend stellen, gilt praktisch als ausgeschlossen. "Wir werden ihn nicht fragen, ob er sich ergeben will", sagte ein Armeeoffizier der Zeitschrift "Time". Die US-Truppen haben Schießbefehl, ebenso wie Bin Ladens engste Vertraute: Der Terroristenchef, berichteten arabische Zeitungen, habe präzise Instruktionen gegeben, sollte er den Amerikanern in die Hände fallen. Für den Fall bittet Bin Laden erschossen zu werden.
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