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27.11.2001
 

Revolte in Masar-i-Scharif

Sonderkommandos stürmen Taliban-Zuflucht

Die Revolte im Gefangenenlager der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif ist so gut wie niedergeschlagen. Am Morgen stürmten amerikanische und britische Soldaten die Taliban-Zuflucht. Auch aus Kandahar werden Gefechte zwischen Special Forces und Gotteskriegern gemeldet.

US-Soldaten suchen hinter einer Mauer Schutz
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DPA

US-Soldaten suchen hinter einer Mauer Schutz

Kabul/Islamabad - Der US-Fernsehsender CNN berichtete am Dienstag, in Masar-i-Scharif befänden sich nur noch etwa ein Dutzend Gefangene im Aufstand. Kurz zuvor seien amerikanische und britische Spezialeinheiten in das Lager eingedrungen. US-Kampfflugzeuge flogen erneut Bombenangriffe auf die Festung. Truppen der Nordallianz seien mit Panzern vorgerückt. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Seit Ausbruch der Revolte am Sonntag kamen etwa 400 Gefangene ums Leben. Viele starben bei US-Bombardierungen. Ein Amerikaner wurde getötet, fünf weitere bei US-Luftschlägen versehentlich schwer verletzt. Ob ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA dabei getötet oder verletzt wurde, war zunächst unklar.

Spezialkommandos landen in Kandahar

Nach sieben Wochen Luftangriffen haben die USA in der Nacht zum Dienstag ein größeres Kontingent an Bodentruppen nach Südafghanistan eingeflogen. Auf einem Feldflugplatz nahe Kandahar richteten die Spezialkommandos einen Brückenkopf von rund 500 Marineinfanteristen ein.

Der Einsatz sei reibungslos verlaufen, sagte General James Mattis zu Journalisten, die mit eingeflogen worden waren. Mehr als tausend US-Marines sollten in den kommenden Tagen auf dem Flugplatz nahe der Taliban-Hochburg Kandahar eintreffen, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington. Von dem Brückenkopf aus können die US-Streitkräfte nunmehr die Suche nach Osama Bin Laden am Boden verstärken und militärische Vorstöße auf die letzte Taliban-Hochburg Kandahar starten.

"Cobra" greifen an

Das Gefängnis bei Masar-i-Scharif: Gezielte Angriffe aus der Luft sollten die Aktion der Sonderkommandos unterstützen
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REUTERS/ Department of Defense

Das Gefängnis bei Masar-i-Scharif: Gezielte Angriffe aus der Luft sollten die Aktion der Sonderkommandos unterstützen

Mit Hilfe von Kampfhubschraubern des Typs "Cobra" griffen US-Marines am Montagabend einen gegnerischen Taliban-Konvoi an, der von rund 15 Panzern unterstützt wurde und sich dem Flugplatz näherte.

Der Aufbau der US-Streitkräfte wurde dadurch nicht behindert. In regelmäßigen Abständen landeten weitere Flugzeuge und Hubschrauber. Oberst Peter Miller sagte, in Kürze werde man über tausend Marine-Soldaten im Hinterhof der Taliban haben. Anwohner sagten, bei dem Flugplatz handele es sich um den Dolangi-Flugplatz, den Bin Laden gebaut und benutzt habe. Vor wenigen Tagen habe dort noch der persönliche Hubschrauber von Taliban-Oberhaupt Mullah Omar gestanden.

Schwer bewaffnete Kampfflugzeuge mit Propellerantrieb vom Typ AC-130 griffen nach Augenzeugenberichten am Montagabend Kandahar an. Auch US-Kampfjets bombardierten nahe der Stadt Stellungen der Taliban. Augenzeugen zufolge behielten die Taliban jedoch die Kontrolle über das Gebiet.

Die Taliban kündigten unterdessen erbitterten Widerstand gegen die US-Truppen an. "Wir werden die US-Truppen bis zum letzten Atemzug bekämpfen" sagte Taliban-Sprecher Maulwi Abdullah nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP. Auch Taliban-Führer Mullah Omar befinde sich noch in Kandahar.

Gegen die Taliban gerichtete Stammeskämpfer nahmen nach eigenen Angaben die Stadt Spin Boldak bei Kandahar ein. Nach elftägiger Belagerung war zuvor Kundus in Nordafghanistan endgültig an die Nordallianz gefallen, wie ein Sprecher der Allianz sagte.

Die Vereinten Nationen lehnten unterdessen eine Bitte der Nordallianz ab, Kriegsgefangene zu übernehmen. Nur die Länder, die bereits Truppen in Afghanistan hätten, könnten diese Aufgabe übernehmen, sagte Uno-Sprecher Fred Eckhard. Unklar ist, wer nach einem Ende des Krieges Sicherheitsaufgaben in Afghanistan übernehmen könnte. Im Gespräch ist eine multinationale Truppe mit Uno-Mandat, an der auch Soldaten aus Deutschland beteiligt sein könnten.

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