Quetta/Washington - Unter den vor wenigen Tagen Getöteten sollen sich auch einige Pakistaner befunden haben, wie der Kommandeur einer loyal zum früheren Gouverneur von Kandahar, Gul Agha, stehenden Einheit am Mittwoch in Quetta vor Journalisten berichtete. Die Massenexekution, ausgeführt mit leichten Maschinengewehren, habe stattgefunden, obwohl sieben oder acht US-Soldaten protestiert hätten.
Für den Bericht des Kommandeurs gibt es bislang keine Bestätigung von unabhängiger Seite. Allerdings will das Pentagon die Aktion auf jeden Fall untersuchen. Die Organisation Human Rights Watch sprach bereits von einem "ernsten Kriegsverbrechen".
Der paschtunische Kommandeur berichtete, vor dem Angriff auf die strategisch wichtige Ortschaft zwischen Kandahar und der Grenze zu Pakistan hätten die Paschtunen die Taliban mehrfach aufgefordert, sich zu ergeben. "Wir haben unser Bestes getan, sie zu überreden, sich zu ergeben. Wir haben sie mehrmals dazu aufgefordert, den Koran zitiert und ihnen sogar Geld geboten." Die Taliban hätten jedoch mit Beschimpfungen geantwortet. "Wir exekutierten rund 160 Taliban, die gefangen wurden", sagte der Kommandeur, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen wollte. "Sie wurden in einer langen Reihe aufgestellt, und fünf oder sechs unserer Kämpfer setzten leichte Maschinengewehre gegen sie ein." Es seien nur die Taliban getötet worden, die auf die Paschtunen gefeuert hätten. Wer sich ergab, sei verschont worden.
Die Leichen der Exekutierten seien dutzendweise in Gräbern beerdigt worden, fügte er hinzu. Angeblich hatten die US-Soldaten, die sich der Massentötung vergeblich entgegengestellt haben sollen, die vorangegangenen Kämpfe gefilmt.
US-Hubschrauber kamen zur Unterstützung
Das Blutbad war das Ende eines mehrtägigen Kommandounternehmens im Südosten Afghanistans. Auf dem Weg nach Kandahar seien die Gul-Agha-Kämpfer zunächst in der Nähe von Shin Narrai von Taliban angegriffen worden. Auf Anfrage Gul Aghas hätten sie daraufhin Unterstützung von US-Hubschraubern bekommen. Diese hätten die rund 50 Fahrzeuge der Taliban-Krieger beschossen und die Gul-Agha-Truppe mit Waffen, Uniformen und Medikamenten versorgt.
Nachdem die etwa 2500 bis 3000 Kämpfer unter dem Kommando von Gul Agha etliche Dörfer erobert hatten, seien sie Richtung Takteh Pol gezogen. Dort wollten sie, so berichtet der Kommandeur, die Nachschubroute der in Kandahar kämpfenden Taliban abschneiden.
Takteh Pol hätten sie schließlich am 23. November erreicht, berichtete der Kommandeur. Bei den drei Stunden dauernden Kämpfen seien in der eigenen Truppe 21 Männer gefallen, 25 wurden verletzt.
Nach Angaben des Kommandeurs hofft Gul Agha auf eine Rückeroberung der Stadt Kandahar, seiner alten Machtbasis vor der Zeit der Taliban. Stammesälteste seien bereits in Verhandlung mit den Taliban-Kommandeuren Hafis Madschid und Mullah Saleh um eine Übergabe der befestigten Stadt, sagte er.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Afghanistan-Krieg | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH