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29.11.2001
 

Verhafteter Terroristen-Sohn

Der erste Kandidat fürs Militärgericht?

Die Festnahme des Sohnes von Umar Abd al-Rahman in Afghanistan war der erste größere Erfolg des Anti-Terror-Einsatzes. Amerikanische Medien spekulieren bereits, ob die US-Militärs den Sohn des "blinden Scheichs von New York" gar nicht erst nach Amerika bringen, sondern von einem Militärgericht aburteilen lassen wollen.

Umar Abd al-Rahman, der auch der "blinde Scheich" genannt wird, sitzt seit Mitte der neunziger Jahre in den USA in Haft
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AP

Umar Abd al-Rahman, der auch der "blinde Scheich" genannt wird, sitzt seit Mitte der neunziger Jahre in den USA in Haft

Los Angeles - Bisher wird der 35-jährige Ahmed Umar Abd al-Rahman noch in einem Gefängnis der Nordallianz festgehalten, berichtete am Donnerstag die "Los Angeles Times" unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstquellen. Der Mann, der von anonymen CIA-Mitarbeitern als "Top-Terrorist" klassifiziert wird, war in der vergangenen Woche von Kämpfern der Nordallianz festgenommen worden. Er soll in den vergangenen Jahren in der Bin-Laden-Gruppe al-Qaida eine Schlüsselrolle eingenommen und einige der Ausbildungscamps in Afghanistan geleitet haben, glauben die Geheimdienstler zu wissen. Rahman soll nach den Worten eines Offiziellen in der Leitungsebene von al-Qaida seinen festen Platz gehabt haben.

Vor allem aber spielt der 35-jährige Sohn für den Nachwuchs der Terrororganisation eine wichtige Rolle, glauben die US-Behörden. Denn nach der Verhaftung seines Vaters, dem so genannten "blinden Scheich" Umar Abd al-Rahman, soll sein Sohn die Funktion des Scheichs übernommen haben. Der mittlerweile hochbetagte Vater sitzt seit dem Urteil gegen ihn wegen des ersten Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Doch auch hinter Gittern gilt er bei den US-Ermittlern als Schlüsselfigur von al-Qaida in Amerika - zumindest als verehrter Held der Bewegung. Das Zeichen nach der Machtübergabe vom Vater an den jetzt festgenommenen Sohn Ahmed war klar: Niemand, auch nicht die US-Behörden, können der Organisation etwas anhaben. Mit diesem Duktus soll Rahman immer wieder auch in al-Qaida-Videos zur Rekrutierung von neuen Kämpfern aufgetreten sein.

Urteil auf der Militärbasis?

Besonders wegen dieser Position in der Bin Laden-Organisation könnte Ahmed Umar Abd al-Rahman der erste Kandidat für die von Präsident Bush kürzlich eingeführten Militärgerichte werden, spekuliert die "Los Angeles Times". Für diese These führt das Blatt wiederum Geheimdienstquellen an: Demnach soll der 35-jährige mit weiteren festgenommenen al-Qaida-Mitgliedern schon in den nächsten Tagen auf eine US-Militärbasis wie die Pazifikinsel Guam oder Wake Island geflogen werden. Dort würde er ohne große Verhandlung verurteilt werden, schreibt das Blatt. Selbst die Vollstreckung eines Todesurteils könnte dort nach den Vorgaben des Dekrets, das George W. Bush durchsetzte, sofort vollstreckt werden.

Offiziell wollte der Zeitung niemand im Weißen Haus oder im US-Justizministerium die Meldung bestätigen. Doch anonyme Hinweisgeber sagten, dass Rahman "exakt der Typ von Terrorist ist, für den die Militärgerichte geschaffen wurden und dem nicht die Rechte und Privilegien eines amerikanischen Bürgers zugestanden werden sollten." Nach der fragwürdigen Logik des Bush-Dekrets ergibt das sogar Sinn. Denn Rahman wäre in den Vereinigten Staaten schwer zu verurteilen. Weder hat er in den USA Straftaten begangen, noch haben die US-Behörden ausreichend Beweise gegen ihn. Ein Prozess unter rechtsstaatlichen Bedingungen könnte zu einer derben Niederlage für die Terror-Ermittler und zu einem weiteren psychologisch wichtigen Sieg des "blinden Scheichs" und seiner Anhänger führen.

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