Ramallah - Augenzeugen berichteten von dem Angriff auf Arafats Quartier. Zwei Kampfhubschrauber feuerten drei Raketen auf das Gebäude ab. Ein Berater Arafats sagte, die Rakete habe den Eingang einer von Mauern umgebenen Anlage getroffen, in der auch das Büro Arafats sei. Mitglieder der palästinensischen Autonomiebehörde verließen das Gebäude in Panik. Arafat hielt sich während des Angriffs in dem Gebäude in Ramallah auf, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Verletzt wurde jedoch niemand, hieß es weiter. Einer anderen Meldung zufolge galt der Angriff einer Polizeistation unmittelbar nebem Arafats Hauptquartier.
Ein israelisches Kampfflugzeug beschoss am Morgen einen Gebäudekomplex der palästinensischen Sicherheitskräfte in einem Wohnviertel in Gaza. Hunderte Kinder flohen in Panik aus den Schulgebäuden in dem Viertel, wie Augenzeugen berichteten. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah mindestens drei blutüberströmte Kinder. Krankenwagen eilten zu dem Gebiet, um Erste Hilfe zu leisten. Der Kampfjet vom Typ F-16 feuerte mindestens drei Raketen auf den Gebäudekomplex ab.
In der Nacht waren israelische Truppen auf Städte im Westjordanland und den Flughafen im Gaza-Streifen vorgestoßen. Die Soldaten hätten nur 200 Meter entfernt vom Hauptquartier Arafats in Ramallah im Westjordanland Stellung bezogen, teilten Palästinenser mit.
Als Reaktion auf die Attentate in Jerusalem und Haifa vom Wochenende hatten israelische Kampfflugzeuge und -Hubschrauber bereits am Montag Ziele im Gaza-Streifen und im Westjordanland angegriffen. Dabei waren in Gaza unter anderem drei Hubschrauber Arafats zerstört worden.
"Es ist ein Sabotageakt"
Palästinensische Sicherheitskräfte teilten später mit, Soldaten seien in der Nacht auch mit Panzern in palästinensisch verwaltete Teile von Nablus und in ein Dorf bei Tulkarm im Westjordanland eingerückt. Zuvor waren Truppen den Angaben zufolge auf den Flughafen im Gaza-Streifen vorgestoßen und hatten Teile der Start- und Landebahn zerstört. Die Soldaten hätten bei der Besetzung des Flughafens mit Maschinengewehren gefeuert, hieß es. Der Flughafen ist seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September des vergangenen Jahres nicht mehr in Betrieb. Ein palästinensischer Offizier sagte, drei gepanzerte Fahrzeuge hätten Teile des Flughafens besetzt. Palästinensische Sicherheitskräfte hätten sich in einem Gebäude verschanzt. Der palästinensische Sicherheitschef Abdel Rasek al-Madschajdeh sagte: "Planierraupen haben damit begonnen, die Landebahn aufzureißen. Es ist ein Sabotageakt."
Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete unterdessen, der militante Teil der Fatah-Organisation Arafats und dessen Elitetruppe "Force 17" seien vom Kabinett als terroristische Gruppen eingestuft worden. Zuvor hatte die Regierung das Palästinenser-Regime bereits zu einer den Terrorismus unterstützenden Organisation erklärt. Sie seien somit potenzielle Angriffsziele für Israel. Der Kabinettsbeschluss werde von Ministerpräsident Ariel Scharon und rechten Regierungsmitgliedern getragen. Außenminister Schimon Peres habe indes ebenso wie andere linke Minister den Kabinettssaal vor einer Abstimmung verlassen, hieß es weiter. Peres stellte erneut die Koalition mit dem Likud-Block in Frage. Die Resolution des Kabinetts sehe vor, die Entscheidungen rückgängig zu machen, falls die Palästinenser-Regierung ihren Verpflichtungen zur Verhinderung terroristischer Akte nachkomme.
Palästinenser werten Scharon-Rede als Kriegserklärung
Scharon hatte in einer Rede am Vorabend Arafat vorgeworfen, nicht ausreichend gegen Attentäter vorzugehen und ihn persönlich für die jüngsten Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich gemacht. Zugleich kündigte er an, die Verantwortlichen für die Anschläge unnachsichtig zu verfolgen.
Scharon hatte den Palästinensern zudem vorgeworfen, einen Terrorkrieg gegen Israel zu führen und das jüdische Volk vertreiben zu wollen. Dies werde jedoch nicht gelingen, sagte Scharon am Abend in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
Die Rede Scharons wertete das palästinensische Regierungsmitglied Saeb Erekat als Kriegserklärung. Bei Selbstmordattentaten waren am Wochenende in Israel mindestens 25 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden.
Arafat forderte unterdessen einer Agenturmeldung zufolge die Einberufung eines Gipfels der Islamischen Konferenz (OIC). Die OIC ist mit 56 Mitgliedsländern weltweit die größte moslemische Organisation. Arafat habe sein Anliegen dem derzeitigen OIC-Vorsitzenden, dem Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa el Thani, telefonisch mitgeteilt, meldete die katarische Nachrichtenagentur. Seit mehr als einem Jahr hält ein Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besetzung ihrer Gebiete an. Dabei wurden bereits mehr als 950 Menschen getötet.
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