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04.12.2001
 

Geheimdienst

Bin Laden ist näher an der "schmutzigen Atombombe" als gedacht

Osama Bin Laden und seine Leute sind möglicherweise näher an der Atombombe als bisher angenommen. Dies geht aus Verhören von gefangenen al-Qaida-Mitgliedern hervor und von Funden, die Amerikaner bei ihrem Bodeneinsatz in Afghanistan gemacht haben.

Osama Bin Laden: Seit zehn Jahren lässt er an der Nuklearbombe basteln
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DPA

Osama Bin Laden: Seit zehn Jahren lässt er an der Nuklearbombe basteln

Hamburg - Die Szene, die jüngst in Berichten des US-Geheimdienstes beschrieben wurde, war grauenvoll: Bei einem Treffen, an dem auch Bin Laden teilnahm, präsentierte einer seiner Vertrauten einen Kanister, der offenbar radioaktives Material enthielt. Vor Freude über die Kompetenz seiner Organisation schwang er den Kanister durch die Luft und unterstrich damit die Absicht, eine Nuklearwaffe zu bauen.

Die USA nehmen den Vorfall offenbar so ernst, dass sie die Regierungen einiger Verbündeter in Zentralasien ersuchten, zu klären, ob der Bin-Laden-Vertraute die Grenze zu ihren Ländern überschritten haben könnte. Die Bedenken der USA sind nach Angaben der "Washington Post" so groß, dass einige Anrainerstaaten zu Afghanistan die Sicherheitsvorkehrungen an ihren Grenzen erhöht haben. Es sollen sogar Geräte installiert worden sein, die radioaktive Strahlung anzeigen können.

Noch gibt es keinen zwingenden Hinweis, dass Bin Laden und seine Leute eine atomare Waffe gebaut haben oder auch nur dazu fähig sind. Dennoch sind die Sorgen der Amerikaner riesig. Nicht zuletzt diese Befürchtungen hätten dazu beigetragen, dass die US-Behörden gestern erneut Terroralarm geschlagen haben, sagte ein führender Beamter.

Im Gegensatz zu echten Atombomben findet bei der Explosion der von Bin Laden geplanten, so genannten "schmutzigen Atombomben" keine Kernspaltung statt. Vielmehr wird eine konventionelle Bombe genutzt, bei deren Detonation radioaktives Material möglichst weitflächig verstreut wird.

Eine Skizze zum Bau einer solchen Bombe wurde bereits vor Wochen in Afghanistan gefunden. Nach Einschätzung nicht näher bezeichneten US-Quellen können Pläne von der Qualität des gefundenen jedoch auch im Internet gefunden werden.

Offenbar schon seit langem versucht al-Qaida, eine Nuklearbombe zu bauen. Im Februar bezeugte ein Sudanese namens Jamal Ahmed Fadl, der neun Jahre für Bin Laden gearbeitet hatte, dass dessen Terrororganisation bereits in den frühen neunziger Jahren versuchte, radioaktives Material zu erwerben. Fadl gab an, von Bin Laden beauftragt worden zu sein, von einem ehemaligen sudanesischen Offizier Uran im Wert von 1,5 Millionen Dollar zu kaufen. Ob es zu dem Handel wirklich kam, konnte Fadl nicht bestätigen. Er habe jedoch 10.000 Dollar erhalten, weil er den Deal arrangiert hatte.

Der Zugang zu nuklearbombenfähigem Material ist für Terroristen nicht ausgeschlossen. Russland und Pakistan gelten als Quellen, aus denen sich der Erwerb speisen könnte. Nach Angaben russischer Behörden gab es in den vergangenen zehn Jahren Dutzende Versuche, angereichertes Uran oder Plutonium aus den Beständen der Armee zu stehlen.

In Pakistan wurden neulich zwei Atomwissenschaftler verhaftet, um sie über ihre Kontakte zu al-Qaida und den Taliban zu befragen. Die beiden, Sultan Bashiruddin Mahmud und Abdul Majid, arbeiteten in den vergangenen Jahren in Afghanistan, sagten aber aus, nur für karitative Zwecke dort gewesen zu sein.

Das Merkwürdige daran: Mahmud ist Plutonium-Experte. 1999 wurde der Spezialist auf einen Schreibtisch-Job abgeschoben weil er sich öffentlich dafür stark gemacht hatte, dass Pakistan anderen islamischen Staaten dabei helfen solle, Atomwaffen zu bauen. Zusätzlich hatte er sich öffentlich für eine Unterstützung des Taliban-Regimes in Afghanistan ausgesprochen.

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