Islamabad - Anti-Taliban-Einheiten rücken nach eigenen Angaben in der Region um die Bergfestung Tora Bora in Ostafghanistan weiter vor. Milizenführer sagten dem amerikanischen Nachrichtensender CNN am Donnerstag, etwa 3000 Soldaten seien an der Aktion beteiligt.
Es ist eine unwirtliche Region, die Pässe sind teilweise schon hoch verschneit. Nach Angaben afghanischer Kommandeure haben sich bis zu 2000 Kämpfer in dem Höhlensystem verschanzt, bereit bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen. Was das bedeutet, erfuhren Amerikaner und die Soldaten der Nordallianz erst kürzlich in Masar-i-Scharif. Dort hatten sich gefangene Taliban in der Festung des Usbeken-Generals Dostam verschanzt und sich trotz ständigem Beschuss und US-Bombardement tagelange Gefechte mit ihren Bewachern geliefert.
Doch die Stammesfürsten bei Tora Bora schreckt das nicht, sie geben sich furchtlos. Aus ihrer Motivation machen sie keinen Hehl: Sie wollen die 25 Millionen Dollar Kopfgeld, eine für afghanische Verhältnisse biblische Summe, die die US-Regierung auf den Kopf von Bin Laden ausgesetzt hat. "Sie müssen uns das Geld geben", sagt Hadschi Mohammed Zaman, der Kommandeur der Anti-Taliban-Truppen im Nordosten Afghanistans: "25 Millionen. Sie haben das Geld versprochen. Und wir werden sie daran erinnern."
Für die al-Qaida-Kämpfer ist die Lage nicht angenehm. Der Schnee hat ihnen die Rückzugswege nach Süden abgeschnitten, die himmelhohen Bergpässe sind unpassierbar. Von Norden rücken die Truppen der Anti-Taliban-Allianz an. Zunächst nahmen sie die Verbindungsstraße nach Dschalalabad, schnitten die wichtige Versorgungsroute ab. Dann rückten sie weiter vor und besetzten die Eselspfade, auf denen die Höhlen von den umliegenden Dörfern zu erreichen sind. Die Terror-Kämpfer sitzen in einem Kessel, aus dem es keinen Ausweg gibt.
Ob sich Bin Laden tatsächlich in Tora Bora ("Schwarzer Staub") versteckt, ist allerdings unklar. Der Provinz-Chef Hazrat Ali berichtet, Dorfbewohner hätten den Terror-Führer vor einigen Tagen gesehen. Andere vermuten, er habe sich längst abgesetzt, sei außer Landes geflohen. Ziemlich sicher scheint mittlerweile, dass sein Vize Aiman Sawahiri kürzlich bei Bombenangriffen in der Region ums Leben kam. Als Bin Ladens wichtigster Vertrauter und Leibarzt war er nie fern von seinem Meister.
Dass sich die Gotteskrieger bis zum bitteren Ende wehren werden, erfahren derzeit die anrückenden Truppen. Vorrückende Anti-Taliban-Einheiten sind nach eigenen Angaben in der Region um Tora Bora auf heftigen Widerstand von al-Qaida-Kämpfern gestoßen. Die Oppositionseinheiten könnten sich trotz massiver US-Luftunterstützung "nur Meter für Meter vorkämpfen", berichtete ein Korrespondent des amerikanischen Nachrichtensenders CNN aus der Region.
Die USA haben am Donnerstag die geballte Feuerkraft ihrer Luftwaffe auf mutmaßliche Tunnel- und Höhlenverstecke des Terror-Netzwerks al-Qaida konzentriert. Im 60 Kilometer entfernten Dschalalabad waren noch die Schockwellen nach den Explosionen schwerer Bomben in den Weißen Bergen um den Stützpunkt Tora Bora zu spüren. Konteradmiral John Stufflebeem sagte, mit Flächenbombardements allein könnten die zu allem entschlossenen meist ausländischen Taliban-Kämpfer um Osama Bin Laden nicht besiegt werden. "Da draußen sind Millionen von Höhlen", erklärte er. "Ich denke nicht, dass man jede Höhle ausschalten kann. Man ist auf Aufklärung angewiesen."
Die afghanische Nachrichtenagentur AIP berichtete, an der Operation seien mehr als 2000 Soldaten des lokalen Milizenführers Hazrat Ali beteiligt. Unbestätigten Berichten zufolge hat eine unbekannte Zahl von al-Qaida-Kämpfer ihre Höhlenverstecke verlassen. Sie befürchteten, dort gestellt zu werden und seien in die unzugänglichen Berge geflüchtet.
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