Kabul/Washington - Zunächst hatte es geheißen, die etwa 1000 eingekesselten al-Qaida-Kämpfer hätten ein Ultimatum verstreichen lassen, wonach sie bei einer Auslieferung Osama Bin Ladens und 21 weiterer Anführer frei abziehen hätten dürfen. Sie wollten eine Entscheidungsschlacht um Tora Bora suchen. Jetzt gibt es Informationen, wonach die al-Qaida-Kämpfer einer Kapitulation zugestimmt hätten, diese jedoch von den USA abgelehnt worden sein soll. Amerikanische Militärberater hätten die Anti-Taliban-Kämpfer zu weiteren Angriffen aufgefordert.
Die "Washington Post" zitiert den Sicherheitschef für das östliche Afghanistan, den paschtunischen Milizenführer Hasrat Ali: "Die Amerikaner wollen die Kapitulation nicht annehmen. Sie wollen sie töten." Ali erklärte, die zumeist arabischstämmigen Kämpfer wären bereit, sich "uns oder den Vereinten Nationen" zu ergeben. Diese Bedingung sei jedoch für die Amerikaner nicht annehmbar.
Stattdessen meldet die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP, in der Nacht zum Donnerstag seien drei Helikopter mit US-Soldaten nahe der Berghöhlen von Tora Bora gelandet. Beobachter rechneten daher mit einem Angriff von Bodentruppen, nachdem die USA das mutmaßliche Terroristenversteck in den vergangenen Tagen aus der Luft bombardiert hatten.
US-Regierungsbeamte vermuten den gesuchten Terroristenführer Osama Bin Laden weiter in Afghanistan. Laut CNN bezweifelt man im Pentagon und im Weißen Haus, dass Bin Laden das Land bereits verlassen hat. Sie hätten keine Informationen, dass der Gesuchte die Grenze nach Pakistan überquert habe. Wo er sich genau verstecke, sei aber unbekannt, hieß es weiter.
Die seriöse US-Zeitung "Christian Science Monitor" hatte geschrieben, Bin Laden sei bereits vor zehn Tagen nach Pakistan geflohen. Der Topterrorist sei mit Hilfe des Ghilzi-Stammes über die Grenze gebracht worden, berichtete die Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf einen ranghohen al-Qaida-Anführer, den Saudi Abu Jaffar, in ihrer Online-Ausgabe.
Nach Angaben von Jaffar habe Bin Laden seinen 19-jährigen Sohn Salah Uddin zurück nach Afghanistan geschickt. Er sei der einzige Familienangehörige, der sich noch in den Höhlen von Tora Bora befinde.
Die al-Qaida-Terroristen hatten bereits gestern in ihrem Höhlenversteck ein erstes Ultimatum ihrer Belagerer verstreichen lassen. Amerikanische B-52 hatten daraufhin ihre Bombenabwürfe wieder aufgenommen und sich dabei besonders auf einen Höhenzug südlich von Tora Bora konzentriert, über den die Terroristen eventuell nach Pakistan flüchten könnten.
Die im Höhlenlabyrinth von Tora Bora versteckten al-Qaida-Kämpfer verlangten zunächst, die Vereinten Nationen und Diplomaten aus ihren arabischen Heimatländern müssten ihre Kapitulation überwachen. Später forderten sie nur noch die Anwesenheit von Uno-Vertretern, berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.
Nach ihren Angaben stammen die Eingeschlossenen aus Saudi-Arabien, Libyen, Ägypten, dem Sudan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuweit, Jemen, Tschetschenien und dem Irak.
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