Washington - Die Transportmaschine vom Typ C-17 war am Donnerstag in Kandahar gestartet und nach einem rund 20-stündigen Flug gegen 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Freitagabend gelandet. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, einer der 20 Gefangenen an Bord sei auf dem Weg mit Medikamenten ruhig gestellt worden.
Die Häftlinge waren auf dem Flughafen von Kandahar aneinander gekettet und mit Kapuzen über dem Kopf in eine Maschine gesetzt worden. An Bord wurden sie an ihre Sitze gefesselt. 40 speziell trainierte Militärpolizisten begleiteten den Transport. Die Gefangenen trugen orangefarbene Overalls. Aus Gründen der Hygiene seien ihre Bärte, die unter den Taliban Pflicht waren, abrasiert worden, hieß es bei CNN.
Zurzeit arbeiten US-Soldaten auf dem Stützpunkt daran, die Voraussetzungen für die Unterbringung von bis zu 2000 Gefangenen in Guantanamo Bay zu schaffen.
Berichten des englischen "Independent" zufolge wurde den Gefangenen während des Fluges zum Urinieren Töpfe gereicht. Wenn sie Hunger bekamen, erhielten die Gotteskrieger Brote mit Erdnussbutter.
Kurz nach dem Start der US-Militärmaschine kam es am Donnerstagabend auf dem Flughafen in Kandahar zu einem Schusswechsel. Unbekannte gaben Schüsse ab, das US-Militär antwortete mit Maschinengewehr-Salven. Der Vorfall ereignete sich etwa 15 Minuten nachdem das erste US-Transportfluzeug mit 20 Taliban- und al-Qaida-Kämpfern an Bord in Richtung Kuba gestartet war.
Gegen internationale Standards
Amnesty International kritisierte in einer Stellungnahme das Vorgehen der US-Militärs auf dem Flug. Gefangene während des gesamten Fluges ruhig zu stellen und zu fesseln, verletzte internationale Standards, die "grausame, inhumane oder herabsetzende" Behandlungen untersagten.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, er wisse nicht, wie die Gefangenen während des Fluges behandelt würden. Dennoch verteidigte er die Anwendung strenger Maßnahmen. Zur Begründung sagt er, Untersuchungen des Pentagon zu dem Gefangenenaufstand in der Stadt Masar-i-Scharif legten die Sonderbehandlung nahe.
Anfang der Woche hatten Pentagon-Vertreter erklärt, dass die USA die Taliban nicht als Kriegsgefangene betrachten würden, man gewähre ihnen jedoch den Schutz gemäß der Genfer Konventionen.
John Walker noch in Afghanistan
Der amerikanische Taliban-Krieger John Walker Lindh befand sich nach Angaben des US-Militärs nicht unter den Gefangenen, die nach Kuba geflogen wurden. Insgesamt befinden sich 371 mutmaßliche Taliban oder al-Qaida-Mitglieder in der Gewalt der US-Armee, 351 befinden sich in Kandahar, 19 weitere in Bagram.
Im amerikanischen Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba haben sich Soldaten in der Nacht zum Freitag auf die Ankunft der ersten Gefangenen aus Afghanistan vorbereitet. Weitere sollen in den nächsten Tagen folgen.
Das Verteidigungsministerium in Washington verfügte, dass die Gefangenen bei ihrer Ankunft in dem Lager nicht von Journalisten fotografiert werden dürfen. Nach der Genfer Konvention entspricht dies dem Schutz von Kriegsgefangenen vor Beleidigungen und öffentlicher Neugier.
Camp X-Ray
Auf dem US-Stützpunkt von Guantánamo auf Kuba entsteht derzeit ein Hochsicherheitsgefängnis für zunächst bis zu 200 Gefangene. In den nächsten Monaten soll "Camp X-Ray", das die Journalisten am Donnerstag erstmals für kurze Zeit besichtigen durften, gar für 2000 Gefangene ausgebaut werden.
In dem Camp werden die Taliban nach Berichten der "New York Times" in sechs mal acht Fuß-großen Zellen untergebracht, die aus Beton und einem Maschendrahtzaun gebaut sind. Hier erwarten die Taliban intensive Verhöre, möglicherweise müssen sie sich auch vor einem Militärgericht verantworten. Die Gefangenen sollten auf Kuba vernommen werden, um "neue Attentate zu verhindern", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Während ihres Aufenthaltes haben die Gotteskrieger das Recht, ihre Religion auszuüben.
Die Sicherheitskräfte des Camps wurden in speziellen Trainings geschult, wie sie mit den Gefangenen umzugehen haben. Der Kommandeur von Guantanamo, US-Captain Robert Buehn, erklärte, die Basis sei wegen ihrer Abgeschiedenheit ausgewählt worden. Außerhalb der 17 Meilen langen messerscharfen Einfassungszaunes, vor dem mit Maschinen-Gewehren bewaffnete Soldaten patroullieren, befinden sich Mangroven-Baum Sümpfe, hohe Büsche und die Karibische See. Im Norden der US-Militärstützpunktes liegt Kuba. Präsident Fidel Castro hat bereits erklärt, er habe nichts gegen die Internierung der Taliban- und al-Qaida-Kämpfer einzuwenden.
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