Den Haag - Uno-Chefanklägerin Carla Del Ponte will im Laufe des Prozesses rund 300 Zeugen aufrufen. "Milosevic kann sich sicher sein, dass es unwiderlegbare Beweise für seine Verantwortung für Völkermord gibt", sagte sie gegenüber der italienische Zeitung "La Repubblica". Unter den Zeugen seien Opfer wie auch Vertraute des ehemaligen Präsidenten.
Milosevic ist wegen Völkermordes im Bosnien-Krieg 1992 bis1995 sowie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien 1991 bis 1992 und in der südserbischen Provinz Kosovo 1999 angeklagt. Im Kosovo soll Milosevic für den Tod von 900 Kosovo-Albanern und für die Vertreibung von 800.000 Zivilisten verantwortlich sein. Außerdem wird ihm der Tod Hunderter Kroaten und die Deportation von 170.000 Menschen aus Kroatien vorgeworfen. Die Anklage zum Bosnien-Krieg wiegt am schwersten: Sie wirft Milosevic Völkermord vor. Er wird für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, bei dem mehrere Tausend Männer und Jungen getötet wurden, und für die Vertreibung und Inhaftierung von mehr als 250.000 Menschen.
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Der Angeklagte selbst hat das Gericht als illegal bezeichnet und die Anklage als Verschwörung des Westens abgelehnt. Er verzichtet auch darauf, einen Strafverteidiger zu benennen. "Milosevic hat seine Strategie nicht geändert", sagte Dragoslav Ognjanovic, ein Rechtsberater, nach einer dreistündigen Beratung mit Milosevic am Montag. Der Ex-Präsident erkenne das Gericht nicht an, werde aber am Dienstag eine Stellungnahme abgeben. Darin werde er Persönlichkeiten nennen, die in "die jugoslawische Krise verwickelt waren". Als Beispiel nannte Ognjanovic den früheren US-Präsidenten Bill Clinton und seine Außenministerin Madeleine Albright. Eine Kammer aus drei Richtern unter der Leitung des britischen Richters Richard May wird dem Prozess gegen Milosevic vorsitzen. Die Anklage wird zunächst Beweise für mutmaßliche Verbrechen im Kosovo vorlegen, weil die Anklage zu diesem Tatkomplex zuerst erhoben wurde. Die Komplexe Kroatien und Bosnien werden nach Angaben der Anklage voraussichtlich nicht vor Juli behandelt.
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