Berlin - Die drei anderen Todesopfer seien Dänen gewesen, teilte Bundeswehr-Generalinspekteur Kujat am Nachmittag mit. Der Unfall habe sich um 17.05 Uhr Ortszeit (13.35 Uhr MEZ) wenige Kilometer vom deutschen Lager entfernt ereignet. Bei dem Versuch, zwei russische Boden-Luft-Raketen vom Typ SA-3 zu entschärfen, sei eine Detonation vorzeitig erfolgt und habe die Soldaten der Kampfmittelbeseitigung getötet, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Die sechs Meter langen Luftabwehr-Raketen dieses Typs werden bereits seit 40 Jahren produziert und sind mit einem 60 Kilogramm schweren Sprengkopf ausgestattet.
Acht weitere Soldaten seien zum Teil schwer verletzt worden, ergänzte der Kommandeur des deutsch- geführten Kontingents der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF), Carl-Hubertus von Butler, am Mittwochabend gegenüber "dpa". Generalispekteur Kujat war zunächst noch von sieben Verletzten ausgegangen. Auch sie seien Deutsche und Dänen. Drei von ihnen seien schwer und je zwei mittel und leicht verletzt, sagte Kujat. Sie würden im deutschen Sanitätszentrum sowie im französischen Lazarett behandelt. Ob die Schwerverletzten in Lebensgefahr schwebten, könne er nicht sagen. Nähere Angaben über die Soldaten wollte Kujat nicht machen, nur so viel: Sie seien erfahrene und gute Soldaten.
Die Ursache der Explosion sei noch nicht bekannt, sagte Kujat. Nach seinem Kenntnisstand seien alle Vorsichtsmaßnahmen "ordnungsgemäß eingehalten worden". Der General wies Spekulationen zurück, fehlende Ausbildung der Soldaten oder mangelndes Equipment könnte an dem Unfall Schuld sein. "Man ist vor solchen Unglücken nicht gefeit."
Auf den Gesamtauftrag der Bundeswehr in Afghanistan hat der Unfall laut Kujat keine Auswirkungen. Ein solches Ereignis wirke sich aber natürlich sehr demotivierend auf die Stimmung der Soldaten aus.
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, der sich auf dem Weg zum Horn von Afrika befand, entschied sich, seine Reise abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren.
Bundeskanzler "tief berührt"
Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich "tief berührt" von dem Unfall. Er sprach den Angehörigen sein "ganzes Mitgefühl" aus. Er hoffe, dass die verletzten Soldaten, gleich welcher Nation, "gut versorgt" sind, sagte der Kanzler am Mittwoch in Berlin. Da es sich um einen tragischen Unfall handele und nicht um einen Kampfeinsatz, gebe es keinen Grund, die Beteiligung an der Anti-Terror-Mission in Afghanistan in Frage zu stellen.
Nur PDS stellt Einsatz in Frage
Eine solche Forderung erhob zunächst nur die PDS. Ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzender Wolfgang Gehrcke verlangte, nun die Bundeswehraufgaben in Afghanistan "rückhaltlos offenzulegen". Seine Partei erwarte, "dass der Bundestag die von ihm ausgesprochene Mandatierung überdenkt und zurücknimmt".
Auch Johannes Rau bekundet Beileid
Auch Bundespräsident Rau sprach den Familien und Freunden der fünf in Kabul ums Leben gekommenen Soldaten sein Mitgefühl aus. "Ich trauere mit den Familien und den Freunden der beiden deutschen Soldaten und ihrer drei dänischen Kameraden", erklärte Rau in Berlin. "Mit meinen Gedanken bin ich zugleich bei den verletzten Soldaten und allen anderen, die in Afghanistan einen schweren und gefährlichen Dienst tun", hieß es in der Erklärung weiter. "Die Soldaten wollen mithelfen, dass in Afghanistan ein politischer Neuanfang möglich wird, damit die Menschen frei und friedlich zusammen leben können."
Die Bundeswehr ist derzeit mit knapp 1000 Soldaten an der "International Security Assistance Force" (Isaf) in Afghanistan beteiligt, die in der Hauptstadt Kabul und im Umland zur Sicherheit beitragen und damit die Übergangsregierung unter Ministerpräsident Hamid Karsai unterstützen.
Zudem ist eine unbekannte Zahl von Spezialkräften an anderen Einsätzen in Afghanistan beteiligt. Das Ministerium hat bislang nicht bestätigt, dass sich diese an der von den USA geführten Offensive gegen Stellungen der radikal-islamischen Taliban und der Organisation al-Qaida im Osten des Landes beteiligen. Das Bundestagsmandat erlaubt den Einsatz von bis zu 100 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK).
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