New York - Rund 1200 Menschen waren kurz nach den Attentaten von New York und Washington festgenommen worden. Kaum einer von ihnen besaß die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert nun die Weise, wie in den Monaten nach den Anschlägen in einer landesweiten Aktion jeder irgendwie Verdächtige in Haft genommen wurde und die anschließende Behandlung in den Gefängnissen. In ihrem Bericht schreibt die Organisation, die US-Regierung habe den Inhaftierten sofortigen Zugang zu einem Anwalt verwehrt. So sei es ihnen unmöglich gewesen, gegen ihre Haft vorzugehen. Außerdem sei bei den Betroffenen der Rechtsgrundsatz als unschludig zu gelten, bis das Gegenteil bewiesen ist, missachtet worden.
Zudem gebe es Berichte über unmenschlichen Umgang mit den Verhafteten. Darin sei von längerer Einzelhaft die Rede, von engen Fesseln und Bewegungsmangel. "Die Behandlung der Gefangenen durch die Regierung ist schlicht inakzeptabel und eine Vergewaltigung internationalen Rechts," sagte William Schulz, Geschäftsführer von Amnesty International.
Sechs Monate nach den Ansschlägen sind noch immer mehr als 300 Verdächtige in Haft, viele von ihnen Moslems oder aus dem Nahen Osten, berichtet Amnesty. Nur rund 100 der Inhaftierten seien krimineller Machenschaften angeklagt, und nicht eine einzige Anklage stehe im direkten Zusammenhang mit den Anschlägen von New York und Washington, berichtet Schulz. Die meisten säßen wegen kleinerer Visumsvergehen.
"Wir verlangen vom Justizministerium und von der Einwanderungsbehörde, sich an ihre eigenen Standards und an die internationalen Menschenrechtskonventionen zu halten", sagte Schulz weiter. Seine Informationen hat Amnesty bei Besuchen in Gefängnissen, Gesprächen mit Angehörigen und inzwischen freigelassenen Gefangenen gesammelt.
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