Tel Aviv - Die liberale Tageszeitung "Haaretz" berichtete am Dienstag, europäischen Diplomaten sei vom Büro von Ministerpräsident Ariel Scharon mitgeteilt worden, sie dürften den in Ramallah eingeschlossenen Jassir Arafat nur besuchen, wenn sie ihn aus Ramallah herausbringen würden. Eine Rückkehr Arafats in die autonomen Gebiete gäbe es dann aber nicht mehr.
Nach Informationen des Blattes erwägt Außenminister Schimon Peres, Arafat die Ausreise in ein anderes Land zu gestatten, falls dieses bereit sei, ihm Asyl zu gewähren. Peres habe über diesen Vorschlag mit Ägypten und anderen Ländern diskutiert, die den Vorschlag jedoch zurückgewiesen hätten. Arafat dürfe in diesem Fall keinen seiner angeblich in seinem Büro versteckten Männer mitnehmen.
Die EU und die US-Regierung haben in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass Arafat für sie der gewählte Repräsentant der Palästinenser und ihr Verhandlungspartner ist. Scharon hatte Arafat zunächst zum "Feind Israels" und am Sonntag sogar zum "Feind der Welt" erklärt. Beide Begriffe sind völkerrechtlich nicht relevant.
In der Nacht starteten israelische Truppen neue Angriffe im Westjordanland. Dabei zerstörten sie mehrere Gebäude der palästinensischen Sicherheitspolizei in Ramallah. Eine Panzereinheit und Kampfhubschrauber beschossen die am Stadtrand gelegene Zentrale und setzten mehrere Häuser in Brand. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zahlreiche Menschen verletzt oder getötet.
Sicherheitschef Dschibril Radschub wies seine rund 400 Männer an, Widerstand zu leisten. "Ich hätte keinen anderen Befehl geben können", sagte Radschub. Die Lage sei jedoch sehr schwierig. Er wies israelische Angaben zurück, wonach sich in der Polizeizentrale mehrere Verantwortliche für die jüngsten Selbstmordanschläge befunden haben sollen.
700 Festnahmen
Die Hausdurchsuchungen in Ramallah dauerten weiter an. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Freitag 700 Palästinenser festgenommen. Arafat wurde den fünften Tag in Folge daran gehindert, seinen zum großen Teil von israelischen Truppen besetzten Amtssitz zu verlassen.
In Betlehem kam es nach dem Vorstoß weiterer Truppen zu Gefechten mit palästinensischen Kämpfern. Am Rand des Krippenplatzes schossen Palästinenser mit Sturmgewehren auf Panzer. Deren Besatzung erwiderte das Feuer mit schweren Maschinengewehren. Später wurde auch ein Kampfhubschrauber gegen die Palästinenser eingesetzt. An einem anderen Ort in Betlehem wurde ein 60-jähriger Palästinenser erschossen, der als Wachmann vor einem Unternehmen eingesetzt war.
Von einem Schützenpanzer aus beschossen Soldaten das Star-Hotel in Betlehem, wo sich mehr als 20 Journalisten internationaler Medien zur Berichterstattung über den Konflikt aufhielten. Ein Mitarbeiter der Fernsehnachrichtenagentur APTN berichtete, dabei sei ein Kameramann des arabischen Senders al-Dschasira leicht verletzt worden.
Der israelische Außenminister Schimon Peres nannte unterdessen erstmals einen Zeitrahmen für die "Operation Schutzwall". Der Militäreinsatz werde drei bis vier Wochen dauern, sagte Peres. Israel habe nicht vor, die palästinensischen Orte auf Dauer besetzt zu halten.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Nahost-Konflikt | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH