Falsch deklarierte Abfälle einer Pharmafirma und eines Abfallverwerters aus Irland sind für den Skandal um hormonverseuchte Futtermittel und Getränke mitverantwortlich. Wie die irische Umweltbehörde EPA mitteilte, wurden gefährliche Abfälle mit ungefährlichen gemischt und als unbedenklich deklariert.
Riskante Abfälle von der Insel
Die Zeitung "The Irish Times" berichtet in ihrer Internet-Ausgabe, im Juli 2000 habe die Entsorgungsfirma Cara Environmental erstmals eine mit dem Wachstumshormon Medroxy-Progesteron-Acetat (MPA) verseuchte Probe des Glukosesirups an die belgische Firma Bioland Liquid Sugars (nicht identisch mit dem deutschen Verband Bioland) verschickt. Von dieser Zeit an, so die Erkenntnisse der Umweltbehörde EPA, seien die riskanten Abfälle mit den unbedenklichen vermengt worden und als eine Lieferung nach Belgien gelangt. Die Pharmafirma Wyeth Medica, aus deren Produktion die verseuchten Abfälle stammten, habe darüber weder eine Mitteilung gemacht, noch um Erlaubnis dafür nachgefragt.
Das belgische Unternehmen Bioland Liquid Sugars wiederum hat seine Geschäfte mit der Lebensmittelindustrie ohne die nötigen Genehmigungen abgewickelt. Regierungskreise bestätigten, das Unternehmen habe keine Lizenz für derartige Lieferungen besessen.
Belgische Landwirte wollen klagen
Inzwischen sind nahezu alle EU-Staaten von dem Skandal um das Hormon MPA betroffen. Die Hälfte der Schweinezüchter in den Niederlanden mussten ihre Höfe sperren lassen. Sie kündigten an, die beiden irischen Firmen verklagen zu wollen.
Auch in Deutschland hat der Hormon-Skandal weit reichende Folgen. Betriebe in 12 der 16 Bundesländer wurden mit möglicherweise belastetem Futter beliefert. Allein in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurden bisher 337 Mastbetriebe gesperrt. Nicht betroffen sind nach Erkenntnissen vom Dienstag bisher lediglich Hessen, Sachsen, Berlin und Bremen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen riet "vorerst zur Zurückhaltung beim Fleischverzehr".
Wegen hormonverseuchter Futtermittel mussten in NRW Und Niedersachsen bereits 337 Schweinemastbetriebe geschlossen werden
Künast fordert Positivliste
In Brüssel bestätigte der EU-Lebensmittelausschuss das bereits eingeschlagene Verfahren: Demnach soll möglicherweise verunreinigtes Futter aufgespürt, zurückgezogen und beseitigt werden. Alle Betriebe, die unter Umständen verseuchtes Futter erhalten haben könnten, sollen auch weiterhin unter staatliche Aufsicht gestellt werden.
Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) forderte erneut die Einführung einer Positivliste. Statt wie bisher all das als Futtermittelbestandteil zuzulassen, was nicht ausdrücklich verboten sei, müssten die Stoffe aufgelistet werden, die verwendet werden dürften. Unterstützung erhielt Künast in dieser Forderung von ihrer nordrhein-westfälischen Amtskollegin Bärbel Höhn (Grüne) sowie vom Bauernverband.
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