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Die neue Weltordnung im Zeichen des Terrors Imperium Americanum

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Der asiatische Machtraum

Der Streit über einen Kampf gegen den Irak offenbart freilich die Instabilität der neuen Weltordnung in Zeichen des Terrors - auch und gerade in Deutschland. Die rot-grüne Regierung hielt lange Zeit eisern an der bekundeten Solidarität mit der Anti-Terror-Allianz fest - bis zwei Dinge zusammenfielen: der Wahlkampf und die immer entschiedeneren Töne aus der US-Administration, mit aller Macht Saddam Hussein zu beseitigen. Nun ist die Regierung Schröder unvermutet in die Rolle eines Fürsprechers europäischer Sorgen geraten. Die Allianz gegen den Terror sei das eine, ein Krieg gegen den Irak das andere, heißt es in Berlin. Die feine Unterscheidung zeigt: Die Absetzbewegung hat längst begonnen.

Eine Allianz auf Zeit

US-Truppen vor Beginn des Golfkrieges: Diesmal soll Saddam Hussein gestürzt werden.
AP

US-Truppen vor Beginn des Golfkrieges: Diesmal soll Saddam Hussein gestürzt werden.

Dabei schien es nach dem 11. September, als würde die Welt zusammenrücken. Der Kanzler und sein Außenminister proklamierten in den ersten Stunden nach den Terrorangriffen die "uneingeschränkte Solidarität" mit dem gedemütigten Freund in Übersee. Auch die traditionellen Konkurrenten der USA, Russland und China, gesellten sich überraschend schnell zur Anti-Terror-Koalition.

Doch die Allianz der einst verfeindeten Staaten war nur auf Zeit angelegt. Misstrauisch beäugte Wladimir Putin, wie zentralasiatische Republiken die Südostenflanke Russlands zum Aufmarschgebiet amerikanischer Truppen machten. Erst nachdem sein Protest keinen Widerhall fand und es lediglich im Falle Kirgisiens gelang, das Flugabkommen zu verzögern, nahm der russische Präsident die neue Machtbalance hin. Nur mit, nicht gegen den Westen, so seine Ahnung, gelingt der Anschluss Russlands an das 21. Jahrhundert.

Der Westen dankte es Putin mit großer Rücksichtnahme. Als der russische Präsident im Winter 2001 im Bundestag zu den Abgeordneten sprach, verstummten die rot-grünen Kritiker weitestgehend. Das Vorgehen der russischen Armee in Tschetschenien - es wird nun weniger laut als noch vor dem 11. September beklagt. Ein halbes Jahr später stieg Russland gar zum Vollmitglied im Club der G-8-Wirtschaftsmächte auf.

Washingtons Ziel, die Länder der "Achse des Bösen" zu isolieren, geht gleichwohl nicht auf. Unlängst kritisierte der US-Botschafter in Moskau die nuklare Exportpolitik Russlands. Doch Putin ließ sich nicht davon abhalten, Iran die Fertigstellung eines bestehenden und den Bau fünf weiterer Atomkraftwerke zuzusichern. Auch Nordkoreas Staatschef wurde mit dem Angebot der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Russland mit offenen Armen empfangen.

Asien als Machtraum

US-Botschaft in Peking: Hinter der Solidarität lauern die alten Rivalitäten.
REUTERS

US-Botschaft in Peking: Hinter der Solidarität lauern die alten Rivalitäten.

Wie Russland, so sieht sich auch China, die aufstrebende Macht im asiatisch-pazifischen Raum, ungeachtet des Lobes der US-Regierung für ihren Einsatz im Anti-Terrorkampf, neuerdings einem Gürtel von Verbündeten Amerikas gegenüber. Zwar halten US-Experten die Politik Bushs im asiatischen Raum für unklar, eine Strategie sei nicht erkennbar. Doch gelang es nach dem 11. September der US-Regierung in einer beispiellosen Anstrengung, mit einer Reihe asiatischer Staaten Abkommen zu schließen. Militärberater sind heutzutage sogar in Indien stationiert, das traditionell gute Beziehungen zu Moskau pflegt. Andere Staaten wie Indonesien und Philippinen sollen offiziell helfen, den islamischen Terrorismus einzudämmen. Ost-Timor, erst kürzlich in die Unabhängigkeit entlassen, könnte ein US-U-Boot-Stützpunkt werden.

Doch oft genug war und ist die Anti-Terror-Allianz nur ein Instrument, um wirtschaftliche Interessen gleich mit abzusichern. Als die US-Menschenrechtsgruppe "International Labours Rights Fund" kürzlich die Klage indonesischer Dorfbewohner gegen den US-Ölmulti Exxon Mobil vertrat, funkte das US-Außenministerium dazwischen. Die Dorfbewohner hatten dem Energiekonzern vorgeworfen, sich zum Komplizen von Morden, Folterungen und Vergewaltigungen in der Umgebung einer Gasförderanlage im Norden der indonesischen Insel Acehs gemacht zu haben. Die US-Regierung intervenierte - nicht nur, weil das Verfahren die Beziehungen zum Anti-Terror-Verbündeten Indonesien zu belasten drohte. Es habe zudem die Gefahr bestanden, so das US-Außenministerium, dass chinesische Unternehmen den Markt besetzt hätten, wenn Exxon Mobil verdrängt worden wäre.

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