New York - "Wir sind bereit, die Uno-Inspektoren im vorgesehenen Zeitrahmen zu empfangen", sagte al-Duri, der den sechsseitigen Brief als "bedingungslos" beschrieb. "Dies ist Teil unserer Politik zum Schutz unseres Landes, zum Schutz der Nation, zum Schutz unserer Region vor der realen Bedrohung des Krieges."
Das vom irakischen Außenminister Nadschi Sabri unterzeichnete Schreiben sei bereits in New York eingetroffen, verlautete aus Uno-Kreisen. Eine Sprecherin von Generalsekretär Kofi Annan sagte, die Veröffentlichung des Briefes werde wegen der Übersetzung etliche Stunden dauern.
Annan, der sich zurzeit in Washington aufhält, wollte US-Präsident George W. Bush noch am heutigen Abend informieren. Uno-Chefinspektor Hans Blix will bereits am kommenden Montag mit einem 30-köpfigen Vorbereitungsteam in Bagdad eintreffen.
Die USA haben nach der irakischen Annahme der Uno-Abrüstungsresolution Taten gefordert. Ein Sprecher des US-Präsidialamts sagte, der Irak habe bereits in der Vergangenheit ähnliche Versprechen gemacht und sie dann gebrochen. "Nun müssen wir Saddam Husseins aten sehen", sagte er. Der Irak habe keine andere Wahl, als die Resolution anzunehmen.
Der britische Außenminister Jack Straw erklärte, man dürfe jetzt weder den Druck noch die Wachsamkeit gegenüber Bagdad vermindern. "Nur die glaubhafte Anwendung von Gewalt hat heute den Irak so weit gebracht", sagte er.
Ölpreise auf Acht-Monats-Tief
Als Reaktion auf die Entscheidung des Irak fielen am Mittwoch die Ölpreise auf ein Acht-Monats-Tief. In London gab der Preis für ein Barrel der Sorte Brent um einen Dollar auf 22,72 Dollar nach, der niedrigste Wert seit Anfang März.
Die russische Regierung begrüßte das Einlenken Bagdads. "Jetzt muss der Prozess der Waffeninspektionen im Irak so schnell wie möglich beginnen", sagte der stellvertretende russische Außenminister Juri Fedotow. Er betonte, das Russland weiterhin bereit sei, an der Aufhebung der Uno-Sanktionen gegen Bagdad zu arbeiten, sollte der Irak die Forderungen der Vereinten Nationen erfüllen. Gleichzeitig bot Fedotow den Einsatz russischer Waffeninspektoren an.
Das Außenministerium in Berlin wollte die neueste Entwicklung im Irak-Konflikt noch nicht kommentieren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, erst wolle man den Brief Saddam Husseins im Wortlaut gelesen haben.
Arabische Liga: Irak wird "reingewaschen"
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sah die Gefahr eines Krieges zunächst abgewandt: "Wir reden jetzt nicht mehr über Krieg oder militärische Aktionen. Wir reden über die Mission der Inspektionen und darüber, sie erfolgreich zu machen", sagte er. Die Uno-Vertretung der Arabischen Liga betonte, Bagdad werde durch die Waffeninspektionen "reingewaschen werden". "Die Iraker haben nichts zu verbergen", sagte der Botschafter der Liga, Jahja Mahmassai. Auf keinen Fall akzeptiere die Arabische Liga einen Angriff auf den Irak: "Wir haben bereits genügend Kriege im Nahen Osten gehabt."
Der gegenwärtige Präsident des Weltsicherheitsrates, Chinas Uno-Botschafter Zhang Yishan, sagte, er habe nach einer mündlichen Erklärung Al-Duris alle anderen Mitglieder des höchsten Uno-Gremiums informiert. Eine Stellungnahme werde der Sicherheitsrat aber erst dann abgeben, wenn er das Schreiben Saddam Husseins gelesen und erörtert habe.
Irak muss Waffenprogramme schnell offenlegen
Der Irak muss jetzt spätestens bis zum 8. Dezember "eine aktuelle, genaue und vollständige Aufstellung seiner Waffenprogramme" vorlegen, wie es in der Uno-Resolution heißt. Die Waffenkontrolleure sollen ihre Arbeit spätestens am 23. Dezember im Irak aufnehmen. Die Internationale Atom-Energieagentur soll nach weiteren 60 Tagen, also bis zum 21. Februar, den Sicherheitsrat über den neuesten Stand informieren. Sollte der Irak gegen die Resolution verstoßen, werden ihm "ernste Konsequenzen" angedroht.
US-Präsident George W. Bush hatte den Irak erneut vor Konsequenzen gewarnt, sollte er sich den Uno-Forderungen nicht fügen. "Die Zeit ist abgelaufen. Diese Irreführungen, Verzögerungen - damit ist es vorbei. Wir haben eine Null-Toleranz- Politik", sagte Bush.
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