Washington - Unscheinbar schimmern die Container in der afghanischen Wintersonne, eine gesichtslose Siedlung wie auf einer Großbaustelle irgendwo in der Welt. Lediglich die dreifache Stacheldrahtssicherung und die schwer bewaffneten Wachen deuten darauf hin, dass die freie Welt an den Blechwänden endet, dass hier andere Gesetze gelten als außerhalb des streng gesicherten Komplexes.
Die Blechbehälter in einer abgelegenen Ecke der US-Basis Bagram bei Kabul enthalten die menschliche Beute, die den US-Militärs im Krieg gegen den Terror am wichtigsten ist: Hochrangige al-Qaida-Funktionäre und Taliban-Kommandeure. Die Bedingungen, unter denen die Gefangenen hier gehalten werden, haben offenbar mit dem eines normalen Gefängnisses wenig gemein, wie die US-Zeitung "Washington Post" in ihrer Donnerstagsausgabe enthüllt. Laut dem Bericht, an dem auch der Watergate-Enthüller Bob Woodward mitarbeitete, ist das Camp eine Vernehmungshölle, in der die Gesetze der westlichen Strafjustiz nur wenig wahrnehmbar sind.
Der Container-Knast ist eines der Vernehmungszentren, durch dessen Arbeit sich die Amerikaner Aufklärung aus der Welt des Bösen erhoffen. Ein anderes Camp liegt in Diego Garcia, einer Insel im indischen Ozean, die das US-Militär von den Briten geleast hat. Wer hier eingeliefert wird, hat wenig zu hoffen und nichts zu lachen: Alle von den Reportern der "Post" interviewten Geheimdienstler verteidigten den Gebrauch von Gewalt, um Informationen aus den Gefangenen heraus zu pressen.
Wer nicht kooperiert, so schreibt die "Washington Post" müsse für Stunden stehen oder wird mit grellem Licht vom Schlafen abgehalten. In anderen Fällen seien mutmaßlichen al-Qaida-Mitgliedern schwarze Kapuzen oder geschwärzte Brillen aufgesetzt worden, unter denen sie stundenlang in schmerzhafter Körperhaltung hätten ausharren müssen. Dem mutmaßlichen Terror-Kommandeur Abu Zubaida, der bei seiner Festnahme eine Schusswunde erlitt, entzogen die Beamten laut dem Bericht immer wieder Schmerzmittel, um ihn zum Reden zu bringen. Mittlerweile sei Zubaida kooperativ.
Wer sich dennoch hartnäckig weigert, den Mund zu öffnen, wird an Beamte von befreundeten Ländern abgegeben, einige Gefangene seien an Geheimdienste anderer Staaten übergeben worden, deren Foltermethoden von der US-Regierung und von Menschenrechtorganisationen dokumentiert seien, berichtete die Zeitung weiter. Vernehmer aus Staaten wie Jordanien, Ägypten und Marokko erhielten die Gefangenen zusammen mit einem Fragenkatalog, den sie dann abarbeiten müssten. Mit welchen Methoden, spielt eine untergeordnete Rolle. "Wir treten die Antworten nicht aus den Gefangenen heraus", zitiert das US-Blatt einen CIA-Offiziellen. "Wir übergeben sie an andere Länder", deren Beamte dann die Drecksarbeit vornehmen sollten.
Die Behandlung beginne oft schon bei der Gefangennahme durch US-Militärs. Gefangene würden geschlagen. Einige seien in Zellen verbracht worden, die aussahen, wie in einem Land, das für seine brutalen Vernehmungsmethoden bekannt war. Andere wurden stundenlang von Frauen verhört, eine für die aus der Männerwelt der Taliban stammenden Offiziere besonders erniedrigende Behandlung.
Gefangene, die zur Zusammenarbeit bereit waren, seien mit körperlichen Wohltaten, vorgetäuschter Freundschaft, Respekt, kultureller Feinfühligkeit und in einigen Fällen mit Geld belohnt worden.
Kürzlich gab das US-Militär bekannt, dass es strafrechtliche Ermittlungen wegen des Todes zweier Gefangener auf der Bagram-Basis eingeleitet habe. Ein Sprecher der Basis teilte der "Post" mit, dass die Gefangenen eines natürlichen Todes gestorben seien.
"Es gab die Zeit vor dem 11. September", zitiert das US-Blatt einen hochrangigen CIA-Offizier, "und es gibt die Zeit danach. Wir haben die Samt-Handschuhe weggepackt."
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