Washington – Amerikanische Behörden behaupten, dass Saddam Husseins Regierung junge Iraker, die an amerikanischen Universitäten studieren, beauftragt habe, Informationen über US-Technologien zu beschaffen. Ins Visier haben FBI-Mitarbeiter jetzt aber vor allem rund 3000 Iraker genommen, die illegal in die Vereinigten Staaten eingewandert und untergetaucht sind.
Die meisten Einwanderer gelten zwar als Gegner des Regimes von Saddam Hussein, aber einige könnten als Schläfer doch mit Bagdad oder Terror-Gruppen zusammenarbeiten. "Wir müssen diejenigen finden, die sich illegal bei uns aufhalten und eine Bedrohung sein könnten", gab ein US-Antiterror-Experte gegenüber der "Washington Post" als Ziel des FBI-Projekts an. Er müsse aber zugeben, nicht zu wissen, wie groß die Gefahr wirklich sei, die von den Irakern in den USA ausgehe.
"Man sollte nicht erwarten, eine noch rauchende Pistole zu finden", meint Robert Blitzer, ein früherer Anti-Terror-Experte des FBI. Aber man könne das Klima innerhalb der irakischen Gemeinden besser beurteilen.
Insgesamt sind rund 50.000 Iraker in den vergangenen zehn Jahren in die USA gekommen. Das Hauptaugenmerk des FBI liegt aber auf jenen geschätzten 3000, die untergetaucht sind. Die Suche nach Irakern begann vor rund zwei Monaten – sei aber sehr beschwerlich, geben Mitarbeiter der beteiligten US-Behörden zu. Sie könnten bereits wieder in die Heimat zurückgekehrt, in ein anderes Land weitergereist – oder doch noch in den Staaten sein. "In den meisten Fällen haben wir nicht viele Spuren", gibt denn auch ein FBI-Offizieller zu. "Man kann nicht mehr sehr viel tun, wenn die letzte Adresse fünf Jahre alt ist und der Gesuchte in einem Umfeld gelebt hat, in dem die Nachbarn ständig wechseln."
Schon kurz vor dem Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre waren FBI-Mitarbeiter landesweit ausgeschwärmt, um Kontakt zu Irakern zu bekommen, die sich in den Staaten aufhielten, aber die jetzige Aktion ist wesentlich umfangreicher. Insgesamt 56 Teams sollen im ganzen Land damit beginnen, die Iraker zu finden und zu befragen, welche Kontakte sie zu Landsleuten haben. Außerdem sollen sie erklären, welche Meinung sie von Saddam Hussein und seinem Regime haben, was sie von einem Krieg gegen den Irak halten, und vor allem: Ob sie irgendjemanden kennen, der für die Ausführung von Terrorakten im Auftrag Saddams in Frage käme.
Vor allem Mitarbeiter der Einwandererbehörde unterstützen das FBI. Die Task Forces wurden vom FBI geschult. In Washington, Detroit, Los Angeles, New York und New Jersey sollen sie besonders aktiv sein – Städte, in denen die meisten der legal eingewanderten Iraker wohnen. Im Gebiet um Washington wurde auch der Kontakt mit anderen arabischen Gruppierungen aufgenommen.
Die "Interviewer" werden oft abgelehnt. "Natürlich stoßen wir oft auf Misstrauen", gibt Michal E. Rolince vom FBI zu. "Aber irgendwo müssen wir ja anfangen. Die Leute müssen wissen, dass wir ihre Hilfe brauchen – und dass wir da sind, um ihnen zu helfen." Mohammed Alomari, Sprecher einer arabisch-amerikanischen Gruppe in Michigan, steht den Befragungen skeptisch gegenüber. Viele Iraker würden sich nicht trauen, die Interviews zu verweigern, weil sie ihren Einwandererstatus in Gefahr sehen oder weil sie nicht die Aufmerksamkeit anderer Behörden auf sich lenken wollten. "Das würden die Leute in der Öffentlichkeit niemals zugeben", weiß Alomari, "aber unter vier Augen gestehen sie schon, dass sie sich eingeschüchtert fühlen."
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