New York - Die Arbeit im Irak sei nicht frei von Spannungen, sagte Blix. Die Inspektoren könnten ihrer Arbeit inzwischen aber professionell im ganzen Land nachgehen. Sie seien bei ihren Kontrollen verdächtiger Stätten mit "relativ wenig Schwierigkeiten" konfrontiert gewesen.
Die angelaufene Vernichtung von al-Samud-Raketen im Irak würdigte Blix als "substanzielle Abrüstung". Es handele sich dabei tatsächlich um die erste Zerstörung tödlicher Waffen im Irak seit Anfang der neunziger Jahre.
Blix wies aber zugleich darauf hin, dass Bagdad die Raketenzerstörung inzwischen ausgesetzt habe. Er hoffe, das sei nur eine vorübergehende Maßnahme. Bagdad hatte zuvor erklärt, es werde die Vernichtung von Raketen einstellen, wenn ein US-Angriff unmittelbar bevorstehe.
Blix sagte, dass seine Waffenkontrolleure im Irak bisher keine Hinweise auf eine unterirdische Produktion chemischer und biologischer Waffen gefunden hätten. Dagegen erklärte sich Blix am Freitag enttäuscht über das von Bagdad gelieferte Waffendossier. Es habe so gut wie keine neuen Informationen enthalten.
Er bezweifelte die irakischen Angaben, wonach Bagdad 1991 größere Mengen an biologischen Waffen vernichtet habe. Experten hielten es für "sehr wahrscheinlich", dass die angebliche Vernichtung von rund 21.000 Litern an waffentauglichen Bakterien "nicht stattgefunden hat", heißt es in einem umfangreichen Katalog der Irak-Inspektionskommission Unmovic, der weitere Abrüstungsforderungen an den Irak auflistet.
Blix setzte sich dafür ein, dass die Waffeninspektionen noch einige Monate fortgesetzt werden. Selbst wenn Bagdad uneingeschränkt "pro-aktiv" mit den Inspektoren zusammenarbeite, bräuchten diese für die Erfüllung ihres Auftrags noch Zeit. Es gehe dabei nicht um Jahre, aber auch nicht nur um Tage, sondern um mehrere Monate. Allen sei jedoch klar, dass die Waffensuche nicht endlos fortgesetzt werden könne.
Genauso wie sein Kollege Mohammed al-Baradei setzte sich Blix dafür ein, in Bälde irakische Wissenschaftler zu Befragungen außerhalb des Irak zu bitten. Blix sagte, dass seine Inspektoren inzwischen zehn Forscher ohne Beisein irakischer Regierungsbeamter befragen konnten, sieben davon in der vergangenen Woche.
Al-Baradei, der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), erklärte, seine Kontrolleure hätten keine Hinweise gefunden, dass verdächtige Aluminiumrohre zur Anreicherung von Uran eingesetzt werden sollten. Weiter gebe es keine Hinweise, dass der Irak versucht habe, Uran aus Niger zu erwerben.
Das 167 Seiten umfassende Dokument der Inspektoren lag den Mitgliedern des Sicherheitsrates vor, die in New York zur möglicherweise letzten großen Irak-Debatte vor einem Krieg zusammenkamen. Es handelt sich dabei nicht um den Blix-Bericht über die Waffeninspektionen in den letzten drei Monaten. Der in 29 Themenbereiche gegliederte Katalog wurde von Unmovic als detaillierte Grundlage für weitere Inspektionen für den Fall vorgelegt, dass diese noch vom Rat in Auftrag gegeben werden sollten.
Darin werden zu allen 29 Abrüstungsforderungen jeweils konkrete Auflagen genannt, die der Irak erfüllen soll.
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