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Interview mit dem irakischen Informationsminister "Jede Stunde zahlt sich aus"

Im Irak ist Mohammed Said al-Sahaf eher für die Verhinderung von Informationen zuständig. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über Bagdads Hoffnungen, in letzter Minute doch noch vom Krieg verschont zu werden.

Mohammed Said al-Sahhaf ist im Irak für das Informationsministerium zuständig
AP

Mohammed Said al-Sahhaf ist im Irak für das Informationsministerium zuständig

SPIEGEL ONLINE:

Glaubt die Regierung in Bagdad immer noch, dass ein Krieg vermieden werden kann?

Said al-Sahaf: Durchaus. Bis zur letzten Minute glauben wir daran. Noch am Freitag haben sich beispielsweise alle arabischen Länder gegen jede Art von Gewaltanwendung gewandt.

SPIEGEL ONLINE: Arabische Konferenzbeschlüsse sind in Washington noch bedeutungsloser als die Friedensempfehlungen Russlands, Frankreichs und Deutschlands.

al-Sahaf: Uns ist klar, dass George W. Bush weder auf sein eigenes Gewissen noch auf gute Ratschläge seiner ehemaligen Verbündeten hört. Doch die immer eindringlicheren internationalen Proteste entziehen sogar den Kriegstreibern im Pentagon Glaubwürdigkeit und politische Akzeptanz. Jede Stunde zahlt sich für uns aus.

SPIEGEL ONLINE: Worauf hofft Saddam Hussein denn jetzt noch? Auf einen Sinneswandel im Weißen Haus? Oder will er doch noch auf die Forderungen des Sicherheitsrats eingehen?

al-Sahaf: Einen Sinneswandel wird es wohl nicht geben. Bush wird doch von Wirtschaftsinteressen zum Angriff auf die Erdölsupermacht Irak gehetzt. Doch selbst wenn der Ernstfall eintreten sollte, geht seine Kalkulation nicht auf. Die Amerikaner werden sich eine sehr blutige Nase holen.

SPIEGEL ONLINE: Angesichts der tatsächlichen Machtverhältnisse glauben Sie das doch wohl selbst nicht.

al-Sahaf: Erstens werden die Angreifer einen fürchterlichen Blutzoll zahlen müssen. Wenn sie überdies den ganzen Nahen Osten auf den Kopf stellen, mobilisieren sie überall auf der Welt starke Gegenkräfte. Die USA werden alle noch verbliebenen Freunde verlieren und vollkommen isoliert sein. Die Nato und andere US-geführte Bündnisse sind schon jetzt wertlos geworden.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn die USA vollständig isoliert wären, hätte der Irak keine Chance in einem bewaffneten Konflikt.

al-Sahaf: Wenn die Türkei weiterhin die Anwesenheit amerikanischer Truppen verbietet und die Nordfront nicht zu Stande kommt, sieht die Lage schon ganz anders aus. Auch Iran ist ein Mitspieler von einigem Gewicht.

SPIEGEL ONLINE: Hoffen Sie darauf, dass ausgerechnet Teheran Ihnen zu Hilfe kommt, obwohl Saddam die schiitische Republik acht Jahre lang bekämpft hat?

al-Sahaf: Die Iraner wissen, dass sie sonst als Nächste an der Reihe sind. Im übrigen fürchten nicht nur wir Araber, sondern auch unsere politischen Gegner, eine Pax Americana. Glauben Sie ernsthaft, dass Syrien oder Saudi-Arabien, Libyen oder auch Ägypten es hinnehmen würden, von einer unberechenbaren Supermacht versklavt zu werden? Die Völker des Nahen Ostens und der ganzen Welt werden alles daran setzen, um die Umgestaltung der internationalen Gemeinschaft in eine von Amerika gegängelte und kontrollierte Staatenwelt zu verhindern.

Das Interview führte Volkhard Windfuhr

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