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17.03.2003
 

Ex-General verschwunden

"So handelt das irakische Regime"

Von Alexander Schwabe

Er gilt als einer der mächtigsten Feinde Saddam Husseins. Nun ist der frühere irakische Generalstabschef Nisar al-Chasradschi spurlos verschwunden. Für seinen Sohn ist klar, wer dahinter steckt: das Regime in Bagdad.

Nisar al-Chasradschi ist spurlos verschwunden
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AP

Nisar al-Chasradschi ist spurlos verschwunden

Kopenhagen - Ahmed al-Chasradschi erfuhr am Vormittag vom Verschwinden seines Vaters. Er setzte sich umgehend ins Auto, um von seinem norwegischen Domizil zu seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder nach Sorø zu fahren, einer Kleinstadt rund 60 Kilometer westlich von Kopenhagen.

Die Familie lebt seit Jahren im dänischen Exil, nachdem sie unter abenteuerlichen Umständen aus dem Irak geflohen war. Zwei Jahre nach seinem 1999 in Kopenhagen eingereichten Asylgesuch wurde Chasradschi von den dänischen Behörden unter Hausarrest gestellt. Eine seit Juni 2002 tätige Anklagebehörde zur Verfolgung internationaler Verbrechen nahm unter Chefanklägerin Birgitte Vestberg Ermittlungen wegen einer möglichen Beteiligung Chasradschis an Kriegsverbrechen im Verlauf des irakisch-iranischen Krieges auf. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch soll der General an den Giftgasaktionen des Saddam-Regimes gegen Kurden im Nordirak beteiligt gewesen sein.

Seit der Anklage musste sich Chasradschi drei Mal pro Woche bei der dänischen Polizei melden und durfte seine Wohnung ansonsten verlassen. Nun kam er von einem Spaziergang nicht zurück. Seine Familie meldete ihn bei der dänischen Polizei als vermisst. Die Behörden in Kopenhagen teilten am Montag mit, nach dem 64-Jährigen werde in ganz Dänemark und auch international gefahndet.

In Dänemark kursieren Gerüchte über den Verbleib des Generals, der gegenüber SPIEGEL ONLINE einmal sagte, er sei der wütendste Feind Saddam Husseins. Sein Ziel sei es, den Diktator in Bagdad zu stürzen. Chasradschi hat großen Einfluss auf das irakische Militär. Für die Soldaten ist er seit dem irak-iranischen Krieg (1980 bis 88) ein Kriegs- und Nationalheld.

Gemutmaßt wird, Chasradschi könnte eventuell Selbstmord begangen haben. Zweite Vermutung: Chasradschi sei verschwunden, um das Land illegal zu verlassen. Chasradschi hatte jüngst verstärkt Kontakte mit Dschalal Talabanis PUK, der Patriotischen Union Kurdistans. Dänische Beobachter spekulieren, er könnte im Auftrag des CIA von Exil-Irakern gekidnappt worden sein, um die Amerikaner im Krieg gegen Saddam zu unterstützen.

Dritte These: Chasradschi sei entführt oder gar ermordet worden. Für seinen Sohn Ahmed spricht alles dafür, dass sein Vater in die Hände Saddams gefallen ist. "Er ist definitiv in Gefahr", sagte er gegenüber SPIEGEL ONLINE und fürchtet das Schlimmste: "Es ist die typische Art, wie das irakische Regime handelt."

Ahmed schließt eine Flucht seines Vaters aus. Er habe kein Auto, könne auch nicht fahren. Für ihn ist klar, dass "Saddam viele Agenten in Dänemark hat". Saddam sei sehr geschickt darin, missliebige Personen zu eliminieren. Die Familie lebe seit Jahren in der Furcht, dass dieser Fall eintreten könnte.

Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag sagte Chefermittlerin Vestberg, ihre Ermittlungen gingen unabhängig vom Verschwinden Chasradschis weiter.

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