Von Matthias Matussek, Rio de Janeiro
"Die Amerikaner", so Lula, "haben nicht das Recht, alleine zu entscheiden, was gut oder schlecht für die Welt ist". Damit sprach der Präsident der überwältigenden Mehrheit der Brasilianer aus dem Herzen. Für sie, wie für die Kolumnisten der großen Tageszeitungen, zeigt der Kriegsbeginn nichts als "amerikanische Arroganz, die Welt zu beherrschen".
Die Leserbriefe in den Tageszeitungen und die Anrufe in den Radio-Talk-Shows zeigen Empörung aber auch Angst über eine entfesselte amerikanische Supermacht, die Gremien wie die Uno, so Präsident Lula, "ohne jeden Respekt behandelt".
In der öffentlichen und veröffentlichten Meinung des Landes ist der Krieg nichts als eine persönliche Obsession Bushs, eine Waffenshow des Pentagon. "Bagdad bombardiert" titelte die Tageszeitung "O Globo" am Morgen, in Riesen-Lettern - größeren als jenen, mit denen Brasiliens Fußball-WM-Sieg gefeiert wurde. Über dem Titel, ein wenig kleiner, die Zeile: "Bushs Krieg".
Es sei absurd, so Léo Schlafman im "Journal do Brasil", dass die USA unter dem Vorwand, einen Diktator zu entwaffnen, ihre eigenen Massenvernichtungswaffen ausprobieren, zum Beispiel "die Superbombe MOAB, die 40 Prozent verheerender ist als die bisher größte nichtnukleare Bombe."
Igor Rios, aus Niteroi: "Die Amerikaner sind an Walt-Disney-Filme gewöhnt, in denen es nur Gut und Böse gibt; was eignet sich besser, als diese Versimpelungen dazu zu benutzen, einen Krieg zu rechtfertigen und die Ignoranz und das Scheitern jeglicher Menschlichkeit."
Roberto Doglia Azambuja, aus Brasilia: "Der Angriff auf den Irak dient dazu, den desillusionierten westlichen Demokratien vorzuführen, dass die Macht des Volkes gleich Null ist. Die große Mehrheit der Engländer und Spanier waren gegen den Krieg - dennoch haben ihre jeweiligen Staatschefs die Invasion beschlossen und mit dem Töten begonnen."
Für heute Abend ist eine Fernsehansprache des Präsidenten an das brasilianische Volk angekündigt - erwartet wird erneut eine scharfe Verurteilung des Krieges.
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