New York - Noch sind die Meldungen widersprüchlich, genaue Zahlen lassen sich schwer ermitteln: Fest steht, dass irakische Truppen in Massen ihre Waffen strecken. Manche legen einfach ihre Uniformen ab und verschwinden, andere geraten in Gefangenschaft - und werden damit zu einem logistischen Problem für die voranstürmenden Alliierten.
Eine dauerhafte Lösung für deren Unterbringung gibt es noch nicht. Die Angreifer behelfen sich derzeit mit Provisorien. Nach Angaben des Pentagon ergab sich im Südirak die 51. irakische Infanteriedivision mit 8000 Mann und 200 Panzern. Dies wurde von Bagdad jedoch dementiert. Die 8000 Mann, wurden nach Informationen von AP-Korrespondent Brian Bergstein einfach zusammengetrieben und mit Stacheldraht eingezäunt.
Der Oberkommandierende am Golf, General Tommy Franks, sprach auf einer Pressekonferenz von 1000 bis 2000 Gefangenen, die bisher gemacht wurden. Tausende mehr hätten ihre Waffen niedergelegt, um nach Hause zu gehen.
Nach eigenen Angaben machten sich die alliierten Truppen inzwischen daran, Zeltlager zu bauen und die uniformierten irakischen Soldaten und Kämpfer in T-Shirts mit Medikamenten, Essen und Wasser zu versorgen. Gleich nachdem die ersten hundert Iraker überliefen, hätten britische Einheiten mit dem Bau von Gefangenenlagern begonnen, hieß es in einer Mitteilung der britischen Streitkräfte.
Nach der Festnahme sollen Militärpolizisten, die den Kampfeinheiten folgen, die Gefangenen übernehmen und in sicherere Lager bringen. Eine ständige Haftanstalt soll eingerichtet werden, Kuweit und andere Nachbarstaaten wollen allerdings keine Kriegsgefangenen aufnehmen - es muss also ein sicherer Ort in Irak gefunden werden. Rechtsexperten der Streitkräfte sollen sicherstellen, dass die Gefangenen nach den Vorgaben der Genfer Konvention behandelt werden.
Im 91er Golfkrieg gab es bereits eine hohe Zahl von Deserteuren auf irakischer Seite: 69.000 Iraker liefen zum Feind über. Die Beschäftigung mit so vielen Gefangenen hielt damals mehrere amerikanische Einheiten in ihrem Vormarsch auf. Beim jetzigen Feldzug rechnen amerikanische Offiziere damit, dass 270.000 Iraker - über die Hälfte der gesamten Heeresmacht - ihre Waffen niederlegen werden.
Eine große Anzahl von Gefangenen mag nicht nur den Vormarsch der alliierten Truppen verlangsamen - Gefangene im Rücken der vorrückenden Einheiten können zur Bedrohung werden.
Die Soldaten sind für die Gefangennahme von Gegnern geschult worden. Sie tragen an der Front ein englisch-arabisches Wörterbuch mit sich, aus dem sie Befehle wie "Stehenbleiben oder ich schieße" und "Ergebt euch" entnehmen können.
Nach irakischer Darstellung kann es keinen Zweifel an der Kampfbereitschaft der Streitkräfte geben. Alle bisherigen Kriegsgefangenen der USA seien Zivilisten, sagte Informationsminister Mohammed Said el Sahaf.
Nach Angaben des Chefs der Organisation Refugees International sicherten die Streitkräfte irakischen Offizieren gewisse Privilegien zu, um Unruhen unter den Gefangenen vorzubeugen: "Offiziere dürfen ihre Handfeuerwaffen behalten, in ihren Kasernen bleiben, und die alliierten Truppen haben versprochen, sie sobald wie möglich als Sicherheitskräfte einzusetzen", sagt der frühere Pentagon-Sprecher und heutige Flüchtlingshelfer Kenneth Bacon.
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