München/Berlin - In einer gemeinsamen Mitteilung vom Montag schreiben Wallraff, Neudeck und Blüm, sie seien angesichts des teilweisen Vordringens türkischer Truppen in den Nordirak besorgt über das Schicksal der kurdischen Bevölkerung. Sie bedauern, dass die USA den türkischen Eingriff offenbar nicht verhindern konnten. Die Türkei müsse deutschen Organisationen erlauben, die Kurden im Norden des Irak zu versorgen, fordern die Autoren. Wolle die Türkei wirklich Mitglied der EU werden, müsse sie sich kooperationsbereit zeigen.
Norbert Blüm war in der Regierung Kohl Bundesarbeitsminister, Günter Wallraff machte sich als Journalist und Buchautor ("Ganz unten") einen Namen. Rupert Neudeck ist als Gründer und Vorstand der Hilfsorganisation Cap Anamur aus eigener Anschauung mit der Situation in den Kurdengebieten vertraut. Bereits vor Monaten haben sich die ungleichen Männer zusammengefunden und sich unter anderem für die Interessen der Tschetschenen engagiert.
Die Dreiergruppe lobt in ihrer Mitteilung, die Kurden seien politisch schon heute vorbildlich organisiert. Ihre Regionalregierung im Norden des Irak sorge besser für die Bevölkerung als andere offizielle Stellen im Irak. Sie habe sich bereits darauf vorbereitet, eine halbe Million Flüchtlinge aufzunehmen und Unterkünfte dafür eingerichtet. Gleichwohl habe die internationale Staatenwelt die Regionalregierung bisher nicht voll als Partner anerkannt.
Die drei Autoren bedauern, dass bei bisherigen Konflikten im Irak stets die Kurden Opfer gewesen seinen und erinnern daran, dass die Volksgruppe 1988 vom Regime Saddam Husseins mit Giftgas angegriffen wurde.
Trotz der Kritik an der Türkei und der Sympathie für die kurdische Bevölkerung fordern sie aber keinen autonomen Kurdenstaat. Vielmehr deuten sie an, die Kurden sollten nach dem Krieg Teil eines föderal organisierten Iraks sein - dies entspreche auch den Interessen ihrer Regionalregierung. Der Präsident des Regionalparlaments habe Rupert Neudeck gesagt, er könne sich die Gründung einer teilautonomen Landesregierung nach dem Modell des Freistaats Bayern vorstellen.
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