Seoul/Washington - Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm erhöht die US-Regierung den Druck auf Pjöngjang. Man werde die Meinungen anderer beteiligter Länder zu möglichen Uno-Sanktionen einholen, sagte US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer am Freitagabend. Die Regierung habe noch keine endgültige Position eingenommen.
Bislang verhinderten China und Russland, dass sich der Weltsicherheitsrat mit Sanktionen gegen Nordkorea befasst. Pjöngjang hatte mehrfach angekündigt, es werde internationale Sanktionen als Kriegserklärung betrachten.
China könnte allerdings schon bald die Seiten wechseln und sich mit den USA und Japan zusammentun. Wie der SPIEGEL berichtet, wollen Hardliner in Washington und Tokio Nordkorea notfalls mit einer See- und Landblockade dazu bringen, auf sein Atomprogramm zu verzichten.
USA hoffen auf Hilfe Chinas
Als möglicher Verbündeter gegen Kim Jong Il gilt dabei ausgerechnet China. Zwar betrachtet sich das Reich der Mitte als traditionelle Schutzmacht Pjöngjangs. Doch bereits Anfang März drehte Peking dem Nachbarn für drei Tage die Ölzufuhr ab Nordkorea bezieht rund 70 Prozent des Rohstoffs aus China.
Offiziell begründete die Staatsführung die Unterbrechung mit Wartungsarbeiten an einer Pipeline, tatsächlich aber zwang sie Diktator Kim Jong Il damit, vorübergehend auf weitere Provokationen im Atomstreit zu verzichten und sich auf Gespräche mit den USA einzulassen. China ist besorgt, dass Nordkorea mit seinen Drohgebärden japanische Überlegungen für eine eigene atomare Aufrüstung anfacht. Auch Taiwan von Peking als abtrünnige Provinz bezeichnet könnte dem nordkoreanischen Beispiel folgen, um einem Anschluss an das Festland vorzubeugen.
Besonders hart treffen würde Nordkorea die japanische Beteiligung an einer Seeblockade. So könnte Tokio der Fähre "Mangyongbong" das Anlaufen des Hafens Niigata untersagen. Mit diesem Schiff schmuggelt Nordkorea nach Erkenntnis japanischer Sicherheitsbehörden vor allem Devisen sowie Computerteile für sein Raketenprogramm.
USA behalten sich Militärschlag vor
Dadurch bringt Nordkorea vor allem Colin Powell in Bedrängnis. Der US-Außenminister wird in der eigenen Regierung als zu nachgiebig gegenüber dem Kim-Regime kritisiert. Zwar kann derzeit nicht einmal Washington einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel riskieren. Gleichwohl drohte nun auch Powell Pjöngjang vergangene Woche unverhohlen mit einem militärischen Schlag: Die USA würden keine Optionen "vom Tisch nehmen".
Bei den ersten Gesprächen, die zwischen Delegationen aus Nordkorea und den USA unter Beteiligung Chinas von Mittwoch bis Freitag in Peking stattfanden, hatte Pjöngjang offenbar ein neues Angebot zur Beilegung des Atomstreits unterbreitet. Über den Inhalt des Vorstoßes wurde nichts bekannt.
Nach japanischen Regierungsangaben sagte US-Delegationsleiter James Kelly am Samstag in Tokio, der Vorschlag Nordkoreas werde derzeit in Washington geprüft. Nordkorea wertete seinen Vorschlag in einer Erklärung als "neues und mutiges Angebot, um bilaterale Probleme auszuräumen".
Südkoreaner greifen in Verhandlungen ein
Eine Delegation aus Südkorea will am Sonntag nach Pjöngjang reisen, um die kommunistische Regierung mit den US-Angaben zu konfrontieren, Pjöngjang habe den Besitz von Atomwaffen zugebeben. Der Nationale Sicherheitsrat tagte am Samstag in Seoul. In einer Erklärung hieß es, die Delegation mit Kabinettsrang werde Nordkorea "vehement zur Aufgabe seines Atomprogramms und zum Wandel seiner Haltung" drängen.
Derweil meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, eine Delegation aus Pjöngjang unter Leitung des stellvertretenden Außenministers Choe Su Hon habe sich am Samstag auf den Weg nach Großbritannien gemacht. Nähere Details wurden nicht bekannt gegeben.
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