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01.06.2003
 

G-8-Treffen in Evian

Verletzter bei Gipfel-Protesten

Mehrere zehntausende Demonstranten protestierten am Wochenende gegen das Treffen der acht Staats- und Regierungschefs im französischen Evian. Nach einer Polizeiaktion erlitt ein Brite mehrere Knochenbrüche.

Nyon am Genfer See: Demonstranten entzünden ein Feuer
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AP

Nyon am Genfer See: Demonstranten entzünden ein Feuer

Genf - Zwei große Protestmärsche aus Genf und der französischen Stadt Annemasse schlossen sich am Sonntag an der Grenze zusammen. Die Organisatoren sprachen von 120000 Teilnehmern, die Polizei meldete 50000. In mehreren Orten kam es zu Ausschreitungen militanter Demonstranten.

Bei einer Protestaktion in der Schweiz wurde ein 39-jähriger aus London schwer verletzt: Ein Polizist kappte das Seil, mit dem er sich von einer Autobahnbrücke bei Aubonne abseilen wollte. Der Mann stürzte 20 Meter tief in einen Fluss und erlitt mehrere Knochenbrüche. Der Beamte, der das Seil durchtrennte, war sich nach amtlichen Angaben nicht bewusst, dass ein Mensch daran hing. Die Polizei meldete zehn weitere verletzte Demonstranten bei anderen Zwischenfällen. Auch ein Beamter sei verletzt worden.

Sowohl aus Genf als auch aus dem rund zehn Kilometer entfernten Annemasse zogen Gipfelkritiker friedlich zur französisch-schweizerischen Grenze zwischen den beiden Städten. "Erlasst die Schulden" oder "Gegen einen endlosen Krieg: endloser Widerstand" war auf ihren Transparenten zu lesen. Die beiden Protestzüge marschierten geschlossen zurück nach Frankreich.

Zuvor war es zu teils massiven Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. In Annemasse blockierten rund 1500 Demonstranten die Hauptstraße zum Konferenzort Evian mit einer brennenden Barrikade. Vermummte bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Randale in der Nacht

In Genf protestierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag rund 300 Jugendliche gewaltsam gegen den Gipfel. Sie zogen in kleinen Gruppen durch die Innenstadt, zerstörten Schaufenster, setzten Barrikaden in Brand und warfen Molotow-Cocktails. Holzbarrikaden, mit denen sich Banken vor Randalierern schützen wollten, wurden in Brand gesetzt, ebenso ein Auto. Unter Polizeischutz bekämpfte die Feuerwehr die Brandherde. "Sie operieren in kleinen Gruppen, was es schwer macht, sie unter Kontrolle zu bringen", sagte ein Polizeisprecher.

Später blockierten tausende Demonstranten mehrere Rhone-Brücken, darunter auch die zentrale Mont-Blanc-Brücke. Mit brennenden Barrikaden versuchten sie, den Verkehr zum französischen Ufer des Genfer Sees und damit auch nach Evian zu stoppen.

Auch Ausschreitungen in Lausanne

In Lausanne stürmte eine Gruppe Demonstranten eine Tankstelle und verteilte geplünderte Zigaretten und Süßigkeiten an Passanten. Andere Gruppen zerstörten Telefonzellen und rissen Straßenschilder ab. Die Polizei feuerte Gummigeschosse in die Luft ab und setzte Tränengas ein.

Lausanne: Massive Polizeipräsenz
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REUTERS

Lausanne: Massive Polizeipräsenz

Der überwiegende Teil von etwa 2000 Menschen in Lausanne demonstrierte friedlich. Ihr Zorn richtete sich vor allem gegen US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair. Die Autobahn zwischen Lausanne und Genf musste wegen Blockadeaktionen zeitweise gesperrt werden.

Die Polizeipräsenz in Genf wurde am Sonntag weiter verstärkt. Auch ein Teil der zum Schutz des Flughafens in Genf-Cointrin abgestellten deutschen Polizisten sollten ihre Schweizer Kollegen im Stadtzentrum unterstützen, wie Polizeidirektorin Micheline Spoerri mitteilte. Insgesamt haben Frankreich und die Schweiz rund 24000 Soldaten und Polizisten für den G-8-Gipfel mobilisiert.

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