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12.06.2003
 

US-Operation "Peninsula Strike"

Mit den Eisernen Pferden ins Dattelpalmendorf

Von Alexander Schwabe

Der Widerstand der Iraker gegen die Besatzer wächst: Konvois geraten in Hinterhalte, ein Apache-Hubschrauber wurde abgeschossen, fast jede Nacht kommt es zu Angriffen auf US-Soldaten. In der größten Militäroperation seit Ende des Krieges versuchen die Amerikaner den irakischen Partisanenkrieg zu ersticken.

US-Soldaten im Irak: Angriffe nahezu jede Nacht
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AP

US-Soldaten im Irak: Angriffe nahezu jede Nacht

Als Donald Rumsfeld am Dienstag der portugiesischen Regierung die Ehre gab, weil diese die amerikanische Kriegspolitik unterstützt hatte, zeigte er sich wieder einmal als nüchterner Hardliner, der die Dinge nicht beschönigt. Während er öffentlich kundtat, den Portugiesen Antonio Vitorino als einen von drei Kandidaten für das Amt des Nato-Generalsekretärs in Erwägung zu ziehen, erreichte ihn die Nachricht, dass irakische Angreifer mit Raketenwerfern einen US-Soldaten getötet hatten.

"Glaube ich etwa, dass das in einem Monat aufhört oder in zwei oder drei?", fragte Rumsfeld sogleich. "Nein!" "Wird das aufhören, wenn zwei oder drei weitere Divisionen in den Irak geschickt werden?" "Nein!" "Es wird Zeit brauchen, um die Überreste des Saddam-Hussein-Regimes auszurotten - und wir beabsichtigen, dies zu tun."

Dies wird nicht nur Zeit, sondern weitere Opfer kosten. Am Donnerstag gelang es dem irakischen Widerstand, einen US-Militärhubschrauber vom Typ Apache abzuschießen. Das Zentralkommando in Kuweit teilte mit, beide Piloten seien von amerikanischen Soldaten unverletzt geborgen worden. Die Besatzungen von zwei weiteren Apache-Helikoptern lieferten sich jedoch nahe der Absturzstelle im Westen des Landes Gefechte mit irakischen Kämpfern.

Die Zahl der seit dem Fall Bagdads getöteten US-Soldaten im Irak ist diese Woche auf mindestens 40 gestiegen. Seit Beginn des Krieges fielen 206 Soldaten der Koalition, mehr als 600 wurden verletzt. Die Amerikaner sind dazu übergegangen, eine härtere Gangart gegen den sich immer besser formierenden Widerstand einzulegen: In den vergangenen drei Tagen nahmen sie bei Razzien nördlich der Hauptstadt rund 400 Iraker fest.

Gut zwei Monate nach dem Fall Bagdads hat die Armeeführung mehr als 4000 Soldaten in die Operation "Peninsula Strike" geschickt. Ihr Ziel: den Partisanenkrieg im Keim zu ersticken. "Wir haben mit drei Elementen zu tun", sagt Generalmajor Buford Blount. Er warnt seine Soldaten vor wild gewordenen bewaffneten Marodeuren. Der Kommandeur der Dritten Infanteriedivision macht ferner ehemalige Funktionäre der Baath-Partei als Gefahrenquelle aus: "Sie bezahlen Leute, damit sie uns angreifen." Auch die Fedajin, Saddams paramilitärische Kämpfer, sind nach Einschätzung Blounts weiterhin aktiv.

In der größten Militäraktion seit Ende des Krieges fährt die US-Armee noch einmal alle Geschütze auf: Einheiten der Spezialkampftruppe "Eisernes Pferd" haben mit ihren Panzern Stellung bezogen. Unterstützt von Kampfflugzeugen vom Typ F-15, Kampfhubschraubern, Patrouillenbooten und unbemannten Drohnen dringen Bodentruppen in Ortschaften ein und versuchen, mögliche Fluchtwege abzuschneiden. Jeder, der zu fliehen versucht, wird festgenommen.

Fallujah am 10. Juni: US-Soldaten gehen gegen Plünderer vor
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AP

Fallujah am 10. Juni: US-Soldaten gehen gegen Plünderer vor

Am Mittwoch durchkämmten die schwer bewaffneten Einheiten, darunter auch Fallschirmjäger der 173sten Luftlandebrigade, die Umgebung von Balad, rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Am Donnerstag rückten die Truppen in das zehn Kilometer nördlich gelegene Duluiyah ein.

Die Region gehört zum "Sunniten-Dreieck", dem Kernland der Baath-Partei, wo in den vergangenen zwei Wochen zehn Amerikaner getötet und Dutzende verwundet wurden. Das von Dattelpalmen gesäumte Duluiyah war im Krieg weitgehend verschont geblieben und gilt als Zufluchtsort von Kämpfern, die angeblich nach wie vor bereit sind, für Saddam ihr Leben zu riskieren.

Das Areal, das die Einheiten umzingelt haben, ist etwa 30 Quadratmeilen groß. Es handelt sich um fruchtbares Ackerland innerhalb einer Biegung des Tigris, einer Gegend, in der es fast jede Nacht zu Angriffen auf amerikanische Konvois kommt. Die "New York Times" zitiert Soldaten, denen angeblich regelmäßig die Gewehrkugeln und Granaten der Iraker um die Ohren pfeifen. "Wir können von Glück sagen, dass sie so schlecht schießen", sagt Sergeant John Williams.

Als nun die geballte Truppenmacht aufmarschierte, kam es ebenfalls zu Schießereien. Dabei wurden nach US-Angaben vier Iraker getötet und vier GIs verwundet. Nach Informationen der "New York Times" beklagte sich die Bevölkerung bitter über das harte Vorgehen der Amerikaner. Frauen und Kinder seien von den Soldaten in Handschellen gelegt worden. Ein Mann sei zu Tode geprügelt worden, einer anderer nach einem Herzinfarkt gestorben. Die Beschuldigungen wurden von amerikanischer Seite als "absolut falsch" zurückgewiesen.

Colonel Rick Thomas weiß um die Gefahr, in der sich die US-Truppen im Irak weiterhin befinden. Der Sprecher der US-Armee sagt, "pro-Saddam-elements" verzweifelten zusehends, weil sie nirgends eine Zukunft sehen. Pflichtschuldig Optimismus verbreitend fügt er hinzu: "Ich verspreche Ihnen, sie haben auch im Irak keine Zukunft." Die Jagd nach Saddam und den "most-wanted 55" gehe unvermindert weiter. "Unser Ziel ist es, 55 von 55 zu fassen. Bis jetzt haben wir 30."

Ob die Befriedung des Landes mit der Verhaftung der Top-Funktionäre des ehemaligen Regimes erledigt sein wird, bleibt fraglich. Ahmed Chalabi, Präsident des Irakischen National-Kongresses, sprach jüngst von einem Netzwerk, das Attacken gegen die Besatzer führen könne. "Saddam hatte keine militärische Strategie, um die USA zu stoppen. Aber er hat offenbar einen Plan für die Zeit nach der Niederlage." Saddam, der sich im Irak aufhalte, könne seine "Unterstützer" großzügig finanzieren. Es hat den Anschein, als ob diese für jeden Auftrag dankbar sind.

Seit Wochen greifen Getreue der Baath-Partei und versprengte Saddam-Kämpfer US-Soldaten an. Indem sie Anschläge auf Elektrizitätswerke, Hochspannungsleitungen und Relaisstationen ausüben, heizen sie den Unmut beim Volk an, das weiter auf eine intakte Infrastruktur wartet. Mit den Sabotageakten soll der Eindruck erweckt werden, die Siegermächte schafften es nicht, diese aufzubauen.

In letzter Zeit werden die Angriffe raffinierter. Den Widerständlern gelingt es immer öfter, amerikanische Konvois in Hinterhalte zu locken. Statt gelegentlichen Schießereien hier und dort werden amerikanische Einrichtungen jetzt mit Streufeuer unter Beschuss genommen und mit Raketenwerfern angegriffen. Mit Landminen versuchen Iraker, amerikanische Transporte hochgehen zu lassen. Nach Einschätzung der "Washington Post" hat eine neue Phase der Besatzung begonnen, von amerikanischer Seite eingeleitet durch die Operation "Schlag gegen die Halbinsel" am Tigris.

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