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03.07.2003
 

Blasphemie-Vorwurf

Journalisten fliehen vor der Scharia

Der Fall erinnert an die Zeiten der Taliban-Herrschaft: In Kabul haben rund 200 Demonstranten verlangt, zwei Journalisten wegen Gotteslästerung zu bestrafen. Nun soll der Fall tatsächlich vor Gericht kommen. Die beiden sind geflohen.

Kabul - Die Demonstranten wendeten sich auch gegen Vertreter der Regierung unter Präsident Hamid Karzai, die sich nach Interventionen der Uno und Menschenrechtsgruppen hinter die Journalisten gestellt hatten. Vergangene Woche hatte Karzai die Freilassung der Journalisten angeordnet.

In Bezug auf den Autor des umstrittenen Buches "Satanische Verse" riefen sie unter anderem "Salman Rushdis müssen exekutiert werden". Der britische Schriftsteller wurde vom damaligen iranischen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini mit einer Fatwa belegt, die es Muslimen überall auf der Welt erlaubt, Rushdi zu töten.

Vereinzelt wurden auf der Demonstration nahe dem schwer bewachten Präsidentenpalast auch anti-amerikanische Parolen gerufen.

Der Chefredakteur Hussein Mehdavi der Zeitschrift "Aftaab" (Die Sonne) und sein iranischer Stellvertreter Ali Reza sollen aber dennoch vor Gericht gestellt werden. Der oberste Richter des Landes, Maulvi Fazal Hadi Shinwari, kündigte eine Verhandlung nach islamischem Recht an. Würde die Scharia tatsächlich angewendet, droht den beiden möglicherweise die Todesstrafe.

Nach afghanischen Medienberichten sollen sie mittlerweile geflohen sein. Unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle berichtete die in Pakistan ansässige Nachrichtenagentur Afghan Islamic Press (AIP), sie hätten Kabul "mit unbekanntem Ziel" verlassen. Es werde allerdings auch spekuliert, dass einer der beiden in einem Gebäude der Vereinten Nationen in Kabul Zuflucht gesucht habe, berichtete AIP weiter.

Auch ihre Zeitschrift wurde inzwischen verboten. Dem Chefredakteur werden neben den angeblich blasphemischen Artikeln zudem Kritik an manchen Regierungsmitgliedern und islamischen Führern vorgeworfen. Trotz der Vertreibung der radikal-islamischen Taliban gelten vor allem Religionsfragen in Afghanistan nach wie vor als äußerst heikel.

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