Mittwoch, 10. Februar 2010

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20.08.2003
 

Jerusalemer Anschlag

"Aus diesem schrecklichen Inferno barg ich ein Baby"

Der schlimmste Anschlag seit Wochen hat in Israel 20 Menschen das Leben gekostet. Unter den Toten sind mindestens sechs Kinder. Wie ein Wunder kam es da einem Helfer vor, dass er aus dem Inferno aus "blutigen und verbrannten Leichen" ein leises Weinen vernahm. Ein Baby hatte die Katastrophe überlebt.

Jerusalem: Vergeblicher Ruf nach den Eltern
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REUTERS

Jerusalem: Vergeblicher Ruf nach den Eltern

Jerusalem - Die Rettungskräfte in Jerusalem haben schon viel gesehen. Sie wissen, dass die Todesopfer nach einem Selbstmordanschlag oft nicht zu identifizieren sind, sie kennen Leid und Zerstörung. Doch das Attentat auf einen Bus vom Dienstagabend schockierte selbst gestandene Sanitäter. Unter den 20 Tote waren mindestens sechs Kinder, mehr als 100 wurden verletzt. Jehuda Meschi Sahav konnte dennoch von einem kleinen Wunder berichten. Er hörte ein leises Weinen zwischen den Trümmern. "Aus diesem schrecklichen Inferno aus blutigen, verbrannten Leichen barg ich ein Baby, lebendig, unverletzt", sagte er. "Ich habe mich gefühlt, als wäre ich bei einer Geburt dabei. Man muss Gott für dieses Wunder danken." Meschi Sahav gehört zu der orthodoxen Freiwilligenorganisation ZAKA, die sich nach Bombenanschlägen darum kümmert, dass die Leichen nach jüdischen Riten beigesetzt werden.

ZAKA-Mitglieder hatten sich in Jerusalem zu einer Versammlung getroffen, als die Bombe in einem Bus in der Nähe detonierte. Der Bus sollte ultraorthodoxe Juden nach ihrem Gebet an der Klagemauer nach Hause bringen.

Rivkind: "Diese Kinder, Babys, waren hilflos"
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AFP

Rivkind: "Diese Kinder, Babys, waren hilflos"

Der Leiter der Notaufnahme im Krankenhaus Hadassah, Avi Rivkind, berichtete von schrecklichen Szenen nach der Einlieferung der ersten Opfer. Einige der verletzten Kinder hätten noch nicht sprechen können, andere hätten vergeblich nach ihren Eltern gerufen, die verletzt oder getötet worden seien. In einigen Fällen seien Familienmitglieder in dem Chaos auch in unterschiedliche Krankenhäuser gebracht worden. "Diese Kinder, Babys, waren hilflos", sagte Rivkind mit erstickter Stimme im israelischen Radio. "Man kann sie nicht fragen, ob sie Schmerzen haben."

In den vergangenen drei Jahren der Kämpfe zwischen Israel und den Palästinensern gab es Anschläge, die noch verheerender waren als der vom Dienstag. Allerdings wurden selten so viele Kinder Opfer der Gewalt. Die israelischen Zeitungen zeigten am Mittwoch Bilder von blutverschmierten Kindern. "Mord an Kindern", titelte die Zeitung "Maariv". Die "Jediot Ahronot" berichtete, ein Säugling im Alter von einem Monat sei so schwer verletzt worden, dass er nur anhand seines Gewichts habe identifiziert werden können.

Für die orthodoxen Helfer war das Attentat doppelt schwer zu ertragen: Die meisten der Opfer gehörten zu ihrer Glaubensgemeinschaft, sie kannten viele persönlich. "Man behandelt Familien, die man kennt", sagte Meschi Sahav. "Kinder rufen die Freiwilligen beim Vornamen und betteln um Hilfe. Das hat die Moral der Helfer getroffen."

Von AP-Korrespondent Ramit Plushnick-Masti

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