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29.08.2003
 

Perus Versöhnungskommission

Schmutziger Krieg forderte 70.000 Leben

Während Perus Bürgerkrieg starben fast 70.000 Menschen. Das enthüllt der Abschlussbericht der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission. Die nackten Zahlen seien nicht geeignet, den "Horror und die Katastrophe für den Staat und die peruanische Gesellschaft" zu beschreiben, sagte Präsident Alejandro Toledo.

Während des Terrors starben bis zu 70.000 Menschen: Von den Rebellen erschossene Zivilisten im Jahr 1986
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DPA

Während des Terrors starben bis zu 70.000 Menschen: Von den Rebellen erschossene Zivilisten im Jahr 1986

Lima - Er rief dazu auf, sich mit dem Bericht ohne Vorurteile und Hass auseinander zu setzen. "Ich rufe das Land auf, in die Zukunft zu sehen und der Vergangenheit mit Mut entgegenzutreten, damit wir versöhnt werden", sagte Toledo bei der Annahme des Abschlussberichts der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen.

Dazu bedürfe es jedoch auch der Bekämpfung der Armut, fügte der Staatschef des Andenstaates hinzu. Toledo sprach sich gegen Straflosigkeit und zugleich gegen Rache aus. Die Kommission wurde von dem renommierten Philosophen und Universitätsrektors Salomón Lerner Febres geleitet.

Toledo bezeichnete die letzten beiden Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts als "eine Zeit nationaler Schande". Es habe sich um systematische Menschenrechtsverbrechen gehandelt. Die Aufdeckung der Wahrheit sei eine unerlässliche Vorsorge gegen eine Wiederholung der Gewalt.

Die meisten Todesopfer habe es durch Aktionen der maoistischen Terrorgruppe "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) in der am stärksten von Gewalt heimgesuchten Provinz Ayacucho 600 Kilometer südlich der Hauptstadt Lima gegeben. Auslöser der Gewalt sei jedoch die auch heute noch bestehende soziale Ungerechtigkeit gewesen, sagte Lerner.

Die Ideologie von Pol Pot

Bei dem inzwischen sehr geschwächten Leuchtenden Pfad, dessen Anführer Abimael Guzman inhaftiert ist, handele es sich nicht um "Rebellen, weil sie den Staat nicht verändern, sondern zerstören wollen", sagte Lerner kürzlich in einem Interview. Ihre Ideologie sei höchstens mit der des Terrorregimes von Pol Pot in Kambodscha zu vergleichen.

Der Leuchtende Pfad hatte das Land in den achtziger Jahren an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und zeitweise die Eroberung von Lima versucht. Die kleinere linke Rebellengruppe Tupac Amaru (MRTA), die zuletzt 1996/97 durch die monatelange Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima von sich reden machte, verschärfte die Lage weiter.

Trauernde Angehörige
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AP

Trauernde Angehörige

Aber auch das Militär und die Polizei hätten sich während des "schmutzigen Krieges" gegen den Leuchtenden Pfad massenhaft Menschenrechtsverbrechen zu Schulden kommen lassen. Überlebende hatten von der systematischen Vergewaltigung von Frauen und der Ermordung ganzer Dorfgemeinschaften durch das Militär berichtet. In dem Bericht werden Presseberichten zufolge etwa 100 frühere Uniformierte genannt, gegen die Strafverfahren eröffnet werden sollten.

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts hatten die Ergebnisse zweijähriger Befragungen von Opfern, Zeitzeugen und Tätern sowie der Sichtung zehntausender Dokumente und Fotos zu innenpolitischem Streit geführt. Vor allem Anhänger der drei Präsidenten jener Jahre, dem konservativen Fernando Belaunde (1980-1985), dem sozialdemokratisch ausgerichteten Alan García (1985-1990) und dem extrem rechten Alberto Fujimori (1990-2000), wehrten sich gegen Vorwürfe und bezichtigten Kommissionsmitglieder verdeckter Sympathien für die Rebellen. Das Militär solle mit den linken Gruppen auf eine Stufe "herabgewürdigt" werden.

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