• Drucken
  • Senden
  • Feedback
17.09.2003
 

Verdächtiger im Mordfall Lindh

Anwalt plädiert auf unschuldig

Der Pflichtverteidiger des Hauptverdächtigen im Mordfall Anna Lindh will auf unschuldig plädieren. Sein Mandant habe mit der Tat nichts zu tun. Die Polizei erhofft sich Klärung durch den genetischen Fingerabdruck.

Lindh-Attentat: Das gepixelte Passfoto des Verdächtigen
Zur Großansicht
DPA

Lindh-Attentat: Das gepixelte Passfoto des Verdächtigen

Stockholm - "Ich habe meinen Mandanten soeben getroffen. In den Verhören hat er ausgesagt, dass er nichts mit dem Mord an Anna Lindh zu tun hat" sagte der Rechtsanwalt.

Der Verdächtige werde "gründlich verhört", hatte Staatsanwalt Ola Sjöstrand zuvor berichtet. Große Hoffnungen setzen die Ermittler auf die Auswertung der DNS-Spuren an der Tatwaffe und einer Baseballkappe, die am Tatort gefunden wurde. Die DNS-Analyse des Mannes werde am Donnerstag vorliegen, teilte Tore Olsson vom nationalen forensischen Labor auf einer Pressekonferenz mit.

Der Mann war am Dienstagabend vor einem Lokal am Rasunda-Stadion im Stockholmer Vorort Solna festgenommen worden. Aber sehr optimistisch klang die Polizei bei ihren Stellungnahmen nicht. Nach Angaben von Chefermittler Leif Jennekvist ist der Verdächtige den Bildern einer Überwachungskamera aus dem Nobelkaufhaus, in dem Lindh vor sechs Tagen erstochen wurde, "nicht völlig unähnlich". Alle Behördensprecher erklärten immer wieder, man verfolge auch andere Spuren intensiv weiter.

Polizeisprecherin Stina Wessling zeigte sich zwar erleichtert über die schnelle Festnahme. Zugleich betonte sie am Mittwoch im schwedischen Rundfunk, dass noch nicht fest stehe, ob es sich bei dem Verdächtigen um den Täter handele. Im Zusammenhang mit dem Mordfall würden noch mindestens fünf weitere Personen gesucht. Neben dem Hauptverdächtigen wurden zwei weitere Männer festgenommen und zu dem Mordfall befragt. Sie gälten aber nicht als Tatverdächtige, hieß es.

Die Fahnder: Leif Jennqvist und Agneta Blidberg von der schwedischen Polizei
Zur Großansicht
AP

Die Fahnder: Leif Jennqvist und Agneta Blidberg von der schwedischen Polizei

Die Ermittler waren durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur des Mannes gekommen. Angeblich handelt es sich um einen 35 Jahre alten Schweden, der wegen Delikten von Diebstahl bis zu illegalem Waffenbesitz mehrfach vorbestraft ist. Sein Name wurde nicht bekannt gegeben.

In ganz Schweden und auch im Ausland war nach dem mutmaßlichen Mörder mit Fotos gefahndet worden, die von Überwachungskameras im Kaufhaus Nordiska Kompaniet aufgenommen worden waren. Dort wurde Anna Lindh am 10. September mit einem Messer angegriffen. Einen Tag danach erlag sie ihren Verletzungen.

Für Freitag kündigte Lindhs Sozialdemokratische Partei eine Trauerfeier im Stockholmer Rathaus an. Dazu werden Gäste aus aller Welt erwartet, unter ihnen Bundesaußenminister Joschka Fischer. Auch US-Außenminister Colin Powell kündigte sein Kommen an. Die Feier soll im Blauen Saal des Rathauses abgehalten werden, in dem jeden Dezember das Bankett mit den Nobelpreisträgern stattfindet. Anschließend will Ministerpräsident Göran Persson Lindhs Nachfolger im Amt des Außenministers bekannt geben. Derzeit führt der Minister für Entwicklungszusammenarbeit, Jan Karlsson, kommissarisch die Amtsgeschäfte.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP