Kandahar/Kabul - "Es gab einen gewaltigen Streit um die Scharia", sagte der Beamte. Mehr als 150.000 Afghanen seien in den vergangenen drei Monaten befragt worden. "Nun ist die Balance gefunden." Der Entwurf sei Präsident Hamid Karsai übergeben worden, der ihn vermutlich in den kommenden Tagen vorstellen werde. Eine Einigung auf einen Verfassungstext und dessen Ratifizierung ist ein Meilenstein für die Demokratisierung des Landes nach 23 Jahren Krieg. Die ersten Wahlen sind für kommenden Juni angesetzt.
In der Präambel des Textes heißt es: "Afghanistan ist ein islamischer Staat." Die Gesetze müssten sich daran orientieren. Über die Scharia finde sich jedoch nichts, sagte der Regierungsmitarbeiter, der bei der Erstellung des Textes mitarbeitete. Die Taliban-Herrscher hatten die Scharia eingeführt, sie war bis zu ihrem Sturz Ende 2001 in Kraft.
Bei einem Angriff von mutmaßlichen Taliban auf einen Armeelastwagen in der Provinz Helmand wurden am Samstagabend sieben Regierungssoldaten getötet, wie ein Provinzsprecher am Sonntag bekannt gab. Es habe sich bei den Soldaten um Leibwächter des Gouverneurs, Scher Mohammed Achundsada, gehandelt. Achundsada sei jedoch nicht mit seinen Bewachern gereist. Die Attacke wurde in der Region Mir Mundo 80 Kilometer nordwestlich von Kandahar verübt.
Erst am Mittwoch hatten Aufständische den Wagen von afghanischen Mitarbeitern einer Hilfsorganisation in der Region beschossen und dabei zwei der drei Insassen getötet. Zwei mutmaßliche Täter seien inzwischen festgenommen worden, sagte der Provinzsprecher.
Brandanschlag auf Mädchenschule im Osten
Ebenfalls am Samstagabend verübten Aufständische einen Brandanschlag auf eine Mädchenschule in der östlichen Provinz Nangarhar. Das einstöckige Gebäude im Bezirk Dara e Noor sei völlig niedergebrannt, sagte ein Sprecher des Informationsministeriums. Es sei aber niemand verletzt worden. Tatmotiv sei der Widerstand der Taliban gegen die Ausbildung von Mädchen und Frauen, sagte der Sprecher.
Ungeachtet der anhaltenden Attacken hält Präsident Karsai das Terrornetzwerk al-Qaida in Afghanistan für ausgelöscht. "Sie sind keine überlebensfähige Untergrundorganisation mehr", sagte er am Freitag in New York. Osama bin Laden halte sich wahrscheinlich im Grenzgebiet zu Pakistan auf.
Karsai wollte sich noch am Sonntag mit Nato-Generalsekretär Lord Robertson in Schottland treffen. Dabei sollte es um die Ausweitung der internationalen Friedensmission in Afghanistan gehen, wofür Karsai seit langem plädiert und zu der auch Deutschland beitragen möchte.
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