Bagdad - Saddam werde den Genfer Konventionen entsprechend behandelt, erklärte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Sonntagabend. Sollte sich jedoch herausstellen, dass er am Widerstand gegen die Koalitionstruppen beteiligt sei, könnte dies zu einer anderen Einstufung führen, sagte er im CBS-Fernsehen.
Über den Aufenthaltsort Saddam Husseins herrscht weiter Unklarheit. Der arabische Fernsehsender al-Arabija meldete, er sei nach Katar gebracht worden. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Aus US-Kreisen hieß es am Sonntagabend, Saddam Hussein sei an einen sicheren Ort gebracht worden. Der Ex-Präsident war am Samstagabend in einem Erdloch im Keller eines Hauses in der irakischen Ortschaft Adwar bei Tikrit entdeckt und gefangen genommen worden. Das US-Magazin "Newsweek" berichtete unter Berufung auf Militärkreise, Saddam habe bei seiner Festnahme gesagt: "Nicht schießen. Ich bin Saddam Hussein, der Präsident der Republik Irak."
Die ersten Vernehmungen ergaben nach Informationen des US-Magazins "Time" wenig. Wie das Magazin unter Berufung auf einen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes berichtet, zeigte sich der Ex-Diktator in einer ersten Vernehmung trotzig. Zudem seien seine Aussagen voller "Saddam-typischer Rhetorik" gewesen. Er sei in eine Zelle auf dem Bagdader Flughafen gebracht worden, berichtete am Sonntag "Time.com", die Web-Site des Magazins. Auf die Frage, wie es ihm gehe, habe Saddam Hussein in seiner üblichen Rhetorik geantwortet: "Ich bin traurig, denn mein Volk lebt in Knechtschaft."
Auf eine Frage, ob er Massenvernichtungswaffen besessen habe, antwortete Saddam Hussein demnach: "Nein, natürlich nicht. Die USA haben sie sich erträumt, damit sie einen Grund für den Krieg gegen uns hatten." Und auf die Nachfrage, warum er denn die Uno-Inspektoren nicht ins Land gelassen habe, sagte er: "Wir wollten nicht, dass sie in die Präsidialbereiche gehen und unsere Privatsphäre verletzten."
Die US-Ermittler seien skeptisch, dass sie von ihm irgendwelche wichtigen Informationen erhalten würden, hieß es. Auch andere ranghohe Iraker wie der frühere Außenminister Tarik Asis oder Saddam Husseins Sekretär Abis Mahmud hätten praktisch nichts gesagt. Bei Saddam Hussein sei aber ein Brief von Widerstandsführern aus Bagdad gefunden worden, der Einzelheiten über ein geplantes Treffen enthalten habe. Die Ermittler hofften nun, mit den dort genannten Namen wichtige Führer des Widerstands fassen zu können.
Der entscheidende Hinweis zur Festnahme des irakischen Ex-Präsidenten ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen von einem Iraker gekommen, der in den vergangenen Tagen in Gewahrsam genommen wurde. Der Hinweis des Mannes, dessen Identität nicht preisgegeben wurde, habe schließlich zu dem Versteck Saddams in einer Erdhöhle auf einem Bauernhof bei Tikrit geführt. Die Ergreifung Saddams sei das Ergebnis einer gemeinsamen Operation der US-Geheimdienste und des Militärs gewesen.
Saddam Hussein regierte den Irak 23 Jahre lang bis zu seinem Sturz am 9. April. Seither war er untergetaucht. Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt. In der 55-köpfigen Liste der von den USA meist gesuchten Personen stand er auf Platz eins.
Den US-Truppen war der Ex-Diktator bisher immer entkommen. Wiederholt wurde berichtet, er wechsele alle paar Stunden seinen Aufenthaltsort, verkleide sich und werde von seinem Familienclan unterstützt. Die Verhaftung Saddams dürfte ein wichtiger Moralschub für die US-Truppen im Irak sein, die unter fast täglichen Terror-Angriffen leiden. Auch könnte der Erfolg die Chancen Bushs für eine Wiederwahl im November 2004 erhöhen.
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